Wien - Bawag-Chef Johann Zwettler führte den wiederholt kolportierten Ausstieg seines Minderheitsaktionärs, der Bayerischen Landesbank, am Mittwoch auf die sommerliche Hitze zurück: "Der Sommer war sehr heiß, über 38 Grad." Es gab Gespräche auf Aktionärsebene

Zu kolportierten Plänen der Bayern, 2004 an ihrer Bawag-Beteiligung etwas zu ändern zu wollen, sagte er, ihm selber sei solches nicht mitgeteilt worden. "Aus heutiger Sicht sehe ich das nicht."

Sollte im Zuge einer Umstrukturierung die Beteiligung der Bayern wirklich einmal zur Disposition stehen, dann gelte das was der Bawag-Aufsichtsrat betont habe: Der 54-Prozent-Aktionär ÖGB habe ein Vorkaufsrecht beziehungsweise "ein Auswahlrecht eines Partners".

Derzeit kein Thema

Derzeit sei das aber kein Thema. Mit den Bayern sei in den herbstlichen Gesprächen eine vertiefte Kooperation besprochen worden, es gebe eine ganze Palette von Zusatzstrategien.

So habe die Bawag in der Gruppe heute schon die Führungsrolle in mehreren Ländern Osteuropas. Und schließlich sei auch der starke Wirtschaftsraum Bayern ein Geschäftsfeld für alle Beteiligten, meinte Zwettler. Die Bayerische Landesbank habe durch den bevorstehenden Wegfall der Gewährträgerhaftung eine Herausforderung zu bewältigen, so Zwettler.

Neues Geschäftsmodell

Die Bayerische Landesbank hat angekündigt, ihr Geschäftsmodell zu ändern, um sich auf den Wegfall der öffentlichen Haftungsgarantien ab 2005 vorzubereiten. Die veränderten Aussichten für die Bayern finden bereits im Rating der Österreich-Beteiligung ihren Niederschlag: Die Ratingagentur Moody's hat das Rating der Bawag und der P.S.K. von Aa3 auf A1 zurückgestuft.

Im Oktober hat die Bawag/P.S.K. Gruppe große Teile ihrer Bawag Versicherung und ihrer Fondstochter Bawag P.S.K. Invest (Fondsvolumen: 5,1 Mrd. Euro) in eine Stiftung ausgegliedert. Außer diesen beiden Beteiligungen liegen u. a. noch Immobilien in der Alinea Stiftung.

Zwettler betonte, dass im Unterschied zu Stiftungslösungen manch anderer Banken in seinem Haus die entsprechenden Gesellschaften weiter voll in der IAS-Bilanz konsolidiert würden. Dass der Stiftungsdeal der Bawag die kolportiert 300 Mio. Euro bringt, bestätigte Zwettler nicht. Er sprach von einem dreistelligen Millionenbetrag als Aufwertungseffekt, der sich aber nicht in der Ergebnisrechnung der Bank widerspiegle, sondern als nicht realisierte stille Reserve gelte.

Unveränderte Dividende

Heuer werden sowohl die Bawag und P.S.K. eine unveränderte Dividende von zwölf Prozent ausschütten. Zudem kann wieder einiges den Rücklagen zugeführt werden. Das operative Betriebsergebnis vor Risiko wird um 6,3 Prozent auf 259 Mio. Euro steigen. Der Zinsüberschuss liegt heuer mit 691 Mio. Euro um 2,2 Prozent über Vorjahr.

Nach Risikovorsorge - die mit rund 135 Mio. um sechs bis sieben Prozent unter der von 2002 liegt - erwartet Zwettler einen Jahresüberschuss vor Steuern von 134 Mio. Euro (plus 5,8 Prozent). Die Bilanzsumme des Konzerns wird rund 51,7 Mrd. Euro betragen, ein Zuwachs um 5,8 Prozent. Die Kosten-Ertrags-Relation liegt heuer mit 69,3 Prozent erstmals unter der 70-Prozent-Marke (Vorjahr 72). Den Return on Equity (ROE) von derzeit 7,5 Prozent will Zwettler in den nächsten drei bis vier Jahren auf zwölf Prozent steigern. (DER STANDARD Printausgabe, 18.12.2003 APA, cr)