Stockholm - Im Mordfall der schwedischen Außenministerin Anna Lindh hat ein ursprünglich verdächtigter 35-Jähriger Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 27.000 Euro gefordert. Sein Anwalt Gunnar Falk übersandte dem schwedischen Justizministerium am Freitag ein entsprechendes Schreiben. Darin verlangt der acht Tage unschuldig festgehaltene Mann Ersatz für Anwaltskosten sowie Entschädigung für die Haft und erlittenes Unrecht.

Der 35-Jährige war sechs Tage nach dem Mord an der Außenministerin festgenommen worden. Er wurde am 24. September freigelassen, als die Polizei den Hauptverdächtigen festnahm.

Höhere Schadensersatzforderungen wegen hohem öffentlichen Interesse

Falk betonte, in diesem speziellen Fall stehe seinem Mandanten wegen des hohen öffentlichen Interesses mehr als die übliche in Schweden sonst ausgezahlte Haftentschädigung zu. Während seiner Inhaftierung hatten internationale und schwedische Medien ausführlich und mit voller Namensnennung über das Leben des Mannes - bis hin zu den intimsten Details - berichtet.

Ermittlungen abgeschlossen: Bericht rund 1.000 Seiten stark

Die Polizei hat ihre Ermittlungen im Fall der im September ermordeten schwedischen Außenministerin Anna Lindh abgeschlossen. Damit könne der Prozess gegen den einzigen Hauptverdächtigen Mijailo Mijailovic beginnen, teilte die schwedische Polizei am Mittwoch mit. Der rund 1.000 Seiten umfassende Ermittlungsbericht werde in dieser Woche an Mijailovics Anwalt Peter Althin übergeben, erklärte ein Polizeisprecher. Der Prozess beginne voraussichtlich Ende Jänner, sofern Althin keinen Widerspruch einlege.

Indizien verhärtet

Die Indizien gegen den inhaftierten Verdächtigen haben sich am Donnerstag verdichtet. Die an der Tatwaffe sichergestellten DNA-Spuren stimmten nach Angaben von Oberstaatsanwältin Agneta Blidberg gegenüber dem schwedischen Rundfunk mit dem genetischen Code des 25-Jährigen überein. Auch an den Hosen des Verdächtigen sei dieselbe DNA nachgewiesen worden. Bisher hatten sich die Justizbehörden mit einer klaren Aussage zurückgehalten.

Anna Lindh wurde am 10. September in einem Stockholmer Kaufhaus niedergestochen. Viele sahen die Außenministerin bereits in der Position der künftigen Ministerpräsidentin von Schweden. (APA/AP)