Wien/Graz - Die Sprachverwirrung dürfte bald ein Ende haben: Nach dem Rücktritt von Tillmann Fuchs und Miroljub Vuckovic als Intendanz der Diagonale '04 und dem Aussetzen des Festivals im kommenden Jahr wird nun mit der behelfsmäßig als "originale Diagonale" titulierten Gegenveranstaltung das alleinige - und bewährte - Festival des österreichischen Films im März 2004 in Graz stattfinden.

Und zwar getragen vom Team der bisherigen Grazer Diagonalen und von den heimischen Filmschaffenden: Während Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) im Zuge der Pressekonferenz meinte, nach seiner Einschätzung fühlten sich manche Filmschaffende von der "originalen Diagonale" nicht vertreten, und namentlich den Regisseur Harald Sicheritz nannte, verwehrte sich dieser auf Anfrage des STANDARD dagegen, von Morak vereinnahmt zu werden. Bereits im September hatte Sicheritz sich im STANDARD "geistig auf der Seite der Kollegen" verortet.

Unterdessen sieht Kulturreferent Richard Mayr seitens des Landes Steiermark den Großen Diagonale-Preis (€15.000,-), als gesichert an. Dieser sei, so Mayr gegenüber dem STANDARD, "statutenmäßig festgelegt" - wenn 2004 ein Festival des österreichischen Film stattfände, so könne er dort vergeben werden. Was eine Förderung der "originalen Diagonale" betreffe, so liege seit rund einer Woche ein entsprechendes Ansuchen vor, das in der üblichen Form behandelt werde.

Was der "originalen Diagonale" vorerst noch fehlt, ist eine Förderung des Bundes. Die Diagonale '04 hat von diesem laut Auskunft von Morak-Pressesprecherin Katharina Stourzh bereits eine Subvention in der Höhe von 125.000 Euro erhalten. Nun müsse, so der zurückgetretene kaufmännische Leiter Tillmann Fuchs gegenüber dem STANDARD, unter anderem über den Ausstieg aus bestehenden Verträgen verhandelt werden. Im Jänner werde voraussichtlich eine Endabrechnung vorliegen und eine Rücküberweisung in "größtmöglicher Höhe" erfolgen.

"Sieg der Vernunft"

Für eine Förderung der "originalen Diagonale" haben sich unterdessen die SPÖ und die Grünen ausgesprochen: SP-Kultursprecherin Christine Muttonen sieht laut Aussendung im Rücktritt von Fuchs und Vuckovic einen "Sieg der Vernunft", die politische Verantwortung für das "Debakel" um die offizielle Diagonale liege bei Staatssekretär Morak.

Morak solle "seine Trotzphase beenden und die ,originale Diagonale' finanziell unterstützen, um weiteren Schaden zu verhindern", so Eva Glawischnig, stellvertretende Bundes- und Kultursprecherin der Grünen. Ein entsprechender Antrag im Parlament werde demnächst eingebracht. (irr / DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2003)