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US-Forscher: Nach der Tankerkatastrophe der Exxon Valdez vor der Küste Alaskas ist am Ufer viel mehr Rohöl verblieben als bisher vermutet.

Foto: REUTERS/Miguel Vidal
Washington - Die Tankerkatastrophe der Exxon Valdez vor der Küste Alaskas beeinträchtigt noch immer die Tier- und Pflanzenwelt. Das berichten US-Forscher im Fachjournal "Science" (Bd. 302, S. 2082) vom Freitag. In den flachen Uferzonen sei viel mehr Rohöl verblieben als bisher vermutet. Dieses schade noch heute Meerestieren und Vögeln.

Das Team um Charles H. Peterson von der University of North Carolina at Chapel Hill in Morehead City bewertete mehrere biologische Studien seit dem Unfall im März 1989. Damals waren 42 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen, davon etwa 40 Prozent in einem kleinen Küstenbereich des Prinz William Sound.

Gestörte Vermehrungsrate vieler Fische

Nach Studien aus dem Jahr 2001 lagern mindestens 100.000 Kilogramm kaum abgebauten Rohöls in den Zwischenräumen des groben Sediments im Gezeitenbereich. Weil dort keine Luft hinkommt, kann es nicht zersetzt werden. Biologische Studien zeigten, dass die Wirkung des Unfalls noch anhält: Die Vermehrungsrate vieler Fische wird schon durch geringste Mengen polycyclischer aromatischer Kohlenwasserstoffe aus dem Öl gestört und zwar weit unterhalb der etwa tausendfach höheren Toxizitätsgrenze, die bisher zur Einschätzung der Gefahren benutzt wurde.

Seeotter und Meeresenten nehmen bei der Suche nach Futter am Grund ständig kleine jedoch gesundheitsschädliche Mengen Öl auf, berichten die Forscher. Verölte Muschelbänke werden nach ihrer Einschätzung noch mindestens 30 Jahre bis zur völligen Erholung benötigen.

Langfristige Auswirkungen

Insgesamt seien die langfristigen Folgen der Ölkatastrophe schlimmer als bisher in der Forschung vermutet, schließen die Wissenschafter. Das Rohöl wird langsamer abgebaut, hält sich in geschützten Nischen und wirkt noch in kleinen Dosen über vielfältige Verknüpfungen zwischen den Arten. Die Forscher fordern, diese langfristigen Auswirkungen bei der Gefahrenabschätzung von Ölunfällen stärker zu berücksichtigen. (APA/dpa)