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Der seit 1997 amtierende Generaldirektor Rudolf Tucek (45) verlässt das Verkehrsbüro

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Wien - Verkehrsbüro-General Rudolf Tucek (45) hat sich mit dem Aufsichtsratspräsidenten, Bank-Austria-Vorstand Friedrich Kadrnoska, auf eine einvernehmliche Lösung seines Vertrages per Jahresende geeinigt. Die von ihm gestellten Bedingungen, vor allem die finanziellen Ansprüche, werden voll erfüllt. Details sind nicht bekannt. Tucek hat eine dreimonatige Konkurrenzklausel akzeptiert und kann ab April wieder bei einem Touristikunternehmen beginnen. Offiziell hieß es, dass sich Tucek nun selbständig machen will.

Als DER STANDARD das bevorstehende Ausscheiden von Tucek am 1. Dezember berichtetet, konterte der Betroffene noch mit einem Dementi: "Ich habe nicht die Absicht - und es besteht auch keine Veranlassung dazu - das Österreichische Verkehrsbüro zu verlassen. Die Behauptung des STANDARD, er würde dem Unternehmen den Rücken kehren wollen, stimmt nicht", ließ Tucek offiziell per Aussendung wissen.

"An erfolgreichen Strategie festhalten"

Jetzt übernimmt mit Jahresbeginn Dieter Toth (58) den Vorstandsvorsitz. Er bleibt auch Chef des Tochterunternehmens Eurotours, das er 1980 gegründet hat. "Toth wird an der erfolgreichen Strategie des Verkehrsbüro festhalten und gemeinsam mit dem Aufsichtsrat die langfristige Führungsstruktur des Verkehrsbüros erarbeiten", hieß es in einer Aussendung. Tucek hat gemeinsam mit Toth (der 7,44 Prozent am ÖVB hält) das Konzept für die "Fun"-Hotels entwickelt, dass schließlich Auslöser für den Abgang Tuceks war.

Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe für das Ausscheiden Tuceks: Zwischen dem ÖVB-Mehrheitsaktionär AVZ-Stiftung und Tucek kriselte es bereits seit einiger Zeit. Die Bank Austria hat ihren ÖVB-Anteil von 60,98 Prozent vor rund einem Jahr an die nunmehrige Privatstiftung zur Verwaltung der Anteilsrechte (AVZ) verkauft. Die Bank Austria, mittlerweile Teil der Münchner HVB-Gruppe, wollte für 2002 eine höhere Dividende vom Verkehrsbüro, als Tucek bereit war zu geben. Im Hintergrund wurde dafür der hohe Cashbedarf der HVB genannt.

"Vertrauensverlust"

Auslöser für den "Vertrauensverlust", wie es nun heißt, war ein "Nebenjob" Tuceks, der der AVZ missfiel, obwohl sie davon wusste. Konkret ging es um ein neues Projekt, so genannte Fun-Hotels, ein speziell für junge Leute ausgerichtetes Hotelkonzept, das zwischen Jugendherberge und In-Hotel angesiedelt ist. Das erste Haus entsteht derzeit in Kärnten. Für das Konzept kassierte Tucek privat Lizenzgebühren. Die AVZ stellte Tucek vor die Wahl: entweder ÖVB oder Nebenjob.

Mit über 2000 Mitarbeitern und 559 Mio. Euro Umsatz ist das Verkehrsbüro Österreichs größter Tourismuskonzern. Norbert Draskovits und Martin Fülöp bleiben neben Toth im ÖVB-Vorstand. Neben der AVZ und Toth sind auch die Wiener Städtische Versicherung (21,25 Prozent) und die AUA (10,33 Prozent)am ÖVB beteiligt. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 19.12.2003)