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Wesley Clark, US-Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 2004.

Foto: APA/EPA/Robin Utrecht
Den Haag - Vor dem Massaker an mehr als 7.000 bosnischen Muslimen im Sommer 1995 bei Srebrenica soll der frühere serbische Präsident Slobodan Milosevic bereits über die geplante Bluttat Bescheid gewusst haben. Dies hat der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber, US-General Wesley Clark, als Zeuge der Anklage beim Milosevic-Prozess vor dem UN-Tribunal in Den Haag erklärt. Clark berief sich dabei auf seine erste Begegnung mit dem Angeklagten im August 1995 in Belgrad. Die Aussage Clarks am Montag und Dienstag in Den Haag war zunächst geheim gehalten worden. Am Donnerstag wurde ihr Wortlaut veröffentlicht. Der Text sei vollständig und nicht gekürzt worden, versicherte ein Tribunalsprecher. Ursprünglich war den USA die Möglichkeit eingeräumt worden, Teile der Aussage unkenntlich zu machen, falls sie die Sicherheit der USA gefährden könnten. "Gratwanderung"

Clark schilderte unter anderem die Reaktion von Milosevic auf Fragen zu dem erst einen Monat zuvor geschehenen Massaker in der bosnischen Stadt. "Er antwortete, dass er darüber vorher Bescheid wusste", erklärte Clark. "Ich warnte Mladic, das nicht zu tun, aber er hörte nicht auf mich", habe Milosevic unter Hinweis auf den militärischen Führer der bosnischen Serben, General Ratko Mladic gesagt. Der noch flüchtige General ist vom Tribunal wegen des Massakers des Völkermords angeklagt worden.

"Es war eine Gratwanderung einerseits zwischen der Darstellung, dass er mächtig und einflussreich genug war, um Bescheid gewusst zu haben, und andererseits dem Versuch, die Verantwortung von sich zu schieben", charakterisierte Clark die Erklärung des damaligen serbischen Präsidenten. Zuvor habe Milosevic ihm und anderen Mitgliedern einer US-Delegation noch versichert, dass sie mit ihm über Frieden in Bosnien verhandeln müssten und nicht mit den bosnischen Serben. (APA/dpa)