An Daniel Barenboim scheiden sich in Israel - wieder einmal - die Geister. Soll er sich dafür entschuldigen, dass er beim Israel-Festival 2001 als Zugabe eines Konzertes ein Stück von Richard Wagner zur Aufführung gebracht hat, oder hat er sich vielleicht sogar schon entschuldigt? Unterrichtsministerin Limor Livnat, Likud, hatte dies als Bedingung dafür verlangt, dem Dirigenten im Mai in der Knesset den renommierten Wolf-Preis überreichen zu können, der ihm vor wenigen Tagen zugesprochen wurde.

Obwohl Barenboim in einer ersten Reaktion eine offizielle Entschuldigung ablehnte: Ein Interview mit Radio Israel, in dem er sagte, er bedaure es "sicherlich, wenn er jemanden persönlich verletzt" habe, stellte die Ministerin am Mittwoch letztlich zufrieden - anders als Knesset-Präsident Reuven Livlin (ebenfalls Likud), der die Preisverleihung boykottieren wird, weil er sich von Barenboim, der "den Holocaust entweiht" habe, "als Jude beleidigt" fühlt. Knesset-Mitglied Yossi Sarid von der linken Meretz-Partei hatte Barenboim aufgefordert, sich keinesfalls zu entschuldigen, Livnat solle sich eher bei diesem entschuldigen.

Barenboim hatte im Juli 2001 die Berliner Philharmoniker ein Stück aus Tristan und Isolde spielen lassen, obwohl er den Organisatoren zugesagt hatte, dies nicht zu tun. Der Dirigent - der das Publikum von seiner Absicht informiert hatte, um ihm Zeit zu geben, gegebenenfalls den Saal zu verlassen - wurde daraufhin von einem Knesset-Komitee zur Persona non grata erklärt, bis er sich für die "widerliche Tat" entschuldige.

Trotzdem bekam Barenboim vor kurzem von der israelischen Wolf-Stiftung gemeinsam mit Mstislaw Rostropowitsch den mit je 50.000 US-Dollar dotierten Preis zugesprochen - zu überreichen in der Knesset.

Der 61-jährige, in Argentinien geborene jüdische Dirigent, der sich im israelisch-palästinensischen Versöhnungsprozess mit verschiedenen Initiativen persönlich stark engagiert, hat seine Absicht bekannt gegeben, sein Geld für palästinensische Kinder in Ramallah zu stiften, was seine Gegner auch nicht versöhnlicher stimmen dürfte. In Ramallah hält Barenboim übrigens auch Klavier-Meisterklassen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2003)