Suzuka - Es war der wohl schönste Moment in seiner bisherigen Karriere, ein Moment, auf den Mika Häkkinen siebeneinhalb Jahre hingearbeitet hatte. Am 1. November hat es der Finne geschafft: Mit seinem achten Saisonsieg beim WM-Finale, dem Grand Prix von Japan in Suzuka, machte er sich zum neuen König der Formel 1. Der McLaren-Mercedes-Pilot setzte sich im Duell mit dem Deutschen Michael Schumacher durch, eroberte als zweiter Finne nach Keke Rosberg und als erster Mercedes-Fahrer seit Juan-Manuel Fangio mit einem Start-Ziel-Sieg vor Eddie Irvine (Ferrari) und Teamkollegen David Coulthard den WM-Titel. In einem dramtischen Rennen, in dem er auch vom Pech des Konkurrenten im Ferrari profitiert hat. "Showdown" Die Vorentscheidung im großen "showdown" fiel bereits, bevor die Rotlichter der Ampel verlöschten, bevor die erste Rennrunde überhaupt begonnen hatte. Denn das geschah erst beim dritten Versuch. Zunächst war Trulli das Auto abgestorben, beim zweiten Versuch erwischte es ausgerechnet Schumacher. Die überhitzte Kupplung des Ferrari machte von alleine zu, "Schumis" Auto rollte an, der Motor starb ab. Neuerlich Abbruch, der Deutsche mußte - wie Trulli - vom Ende des Feldes zum nunmehr zur "Mission impossible" gewordenen Vorhaben WM-Titel starten. Denn durch das ganze Feld nach vor zu kommen und zusätzlich darauf zu hoffen, daß Häkkinen nicht Zweiter wird, schien schwer vorstellbar. Für Häkkinen hingegen war damit bereits ein großer Schritt in Richtung Titel getan. Mit einem breiten Grinsen und simplen "Ja" beantwortete er die Frage, ob er in diesem Moment Erleichterung verspürt habe. Doch gesichert war ihm die Formel 1-Krone damit noch nicht. Während Häkkinen "nach Plan" das Rennen von Beginn an diktierte, fuhr Schumacher wie um sein Leben. 12. Platz nach der ersten Runde, bereits nach der fünften Runde tauchte er hinter Erzrivalen Damon Hill an siebenter Position auf. Doch Hill übte - trotz viermaliger Aufforderung seines Teamchefs Eddie Jordan, Schumacher passieren zu lassen - späte Revanche für die WM-Entscheidung 1996 in Adelaide und war als einziger nicht bereits, "Schumi" Platz zu machen. Erst mit einer Serie von "Qualifikationsrunden" schob sich Schumacher im Zuge der Boxenstopps an ihm, Villeneuve und Coulthard vorbei auf Rang drei - 20 Sekunden hinter Häkkinen. Doch bei diesem Husarenritt mutete er seinen Reifen zu viel zu. Einige Verbremser hatten die Pneus in Mitleidenschaft gezogen, in der 32. Runde platzte der linke Hinterreifen - WM-Traum aus und vorbei, Häkkinen stand als der neue Champion fest. Kein Weg vorbei Doch auch, wenn Schumacher es geschafft hätte, alle anderen zu überholen, an Häkkinen hätte an diesem Tag wohl kein Weg vorbei geführt. Der 30jährige hatte im McLaren Eddie Irvine immer unter Kontrolle, antwortete auf das Näherkommen des Iren immer mit schnelleren Runden. "Es war heute leichter, als bei einigen anderen GPs in dieser Saison, das Rennen zu kontrollieren", erklärte er. Die letzten zehn Minuten habe er sich sogar zur Konzentration zwingen müssen. "Da denkt man auf einmal an alles, nur nicht ans Autofahren", bekannte er. Und Häkkinen gab sich ganz seinen Gefühlen hin. "Das ist ein großer Tag für das ganze Team - vielen Dank. Ich bin überglücklich." Der Champagner floß an diesem Tag in Strömen, Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert feierte ebenso wie McLaren-Boß Mansour Oijeh und Motoren-"Papst" Mario Illien. "Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll", meinte Häkkinen. Schumacher konnte aber mit erhobenem Haupt Suzuka verlassen. Ferrari hatte in dieser Saison eine phänomenale Aufholjagd geliefert. "Es hat nicht sollen sein. Die Welt dreht sich weiter. Und den Titel haben wir nicht in Japan, sondern zu Beginn der Saison verloren. Da waren wir zu weit weg", erklärte er und erwies sich als fairer Verlierer. "Schumi" war der erste, der Häkkinen die Hand schüttelte: "Zuerst möchte ich Mika und seinem Team gratulieren." Und diese Gratulation hat sich McLaren-Mercedes nicht zuletzt mit dem Gewinn des Konstrukteurs-Titels nach sieben Jahren Pause (1991) auch wirklich verdient. Ferrari hingegen muß zum 20. Mal antreten, um 1999 die Durststrecke seit dem letzten Titel durch Jody Scheckter (1979) zu beenden. Doch Schumacher versprach: "Wir sehen uns wieder. In alter Frische." (APA)