Wien/Krems - Zum 40. Mal Weihnachten im Gefängnis: Das wird am Dienstag der heute 73-jährige Josef Weinwurm in Stein erleben. Er wurde 1963 als so genannter Opernmörder zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ein Stück Kriminalgeschichte

Weinwurm schrieb ein Stück Wiener Kriminalgeschichte: Er schlich sich mit einem Messer in die Staatsoper und tötete die Ballettschülerin Dagmar Fuhrich, die ihm zufällig begegnet war. Als die Leiche entdeckt wurde, hatte bereits die Abendvorstellung begonnen, Wagners "Walküre". 14.000 Personen wurden von Kriminalisten als mögliche Täter überprüft, Weinwurm schrieb den Beamten eine Ansichtskarte. Nach fünf Monaten war er in Haft.

34 Messerstiche

Der alte Mann mit dem weißen Haar verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Am 12. März 1963 schlich sich der damals 33-Jährige mit einem Messer in die Staatsoper. Er begegnete im zweiten Stock am Gang zufällig der elf Jahre alten Ballettschülerin Dagmar Fuhrich, die gerade eine Probe besuchen wollte. Weinwurm gab sich als Arzt aus, lockte das Mädchen in ein Duschabteil und tötete es mit 34 Messerstichen.

14.000 Personen wurden überprüft

Als die Leiche entdeckt wurde, hatte bereits die Abendvorstellung begonnen. Wagners "Walküre" stand am Programm. Nach dem Ende der Vorstellung setzten umfangreiche Ermittlungen ein. 14.000 Personen wurden von einem Großaufgebot an Kriminalisten als mögliche Täter überprüft. Aber erst am 6. August 1963 konnte Weinwurm endlich festgenommen werden.

Provokante Ansichtskarte

Er hatte in der Zwischenzeit drei junge Frauen mit seinem Messer attackiert - in einem Kino, im Stadtpark und in einem Gotteshaus in der Innenstadt. Und er hatte mit einer provokanten, an eine Zeitung gerichteten Ansichtskarte, in der er sich "der Mörder von der Oper" nannte, die Öffentlichkeit provoziert.

Prozess

Am 10. April 1964 wurde nach einem Aufsehen erregenden Prozess im Wiener Landesgericht das einstimmige Urteil verkündet: Lebenslange Haft für den Mord und dreifachen Mordversuch.

Seither sitzt Weinwurm in der Justizanstalt Stein. Schon seit Jahren empfängt er keinen Besuch mehr. Wie die meisten Häftlinge geht er trotz seines vorgerückten Alters einer Beschäftigung nach, die ihm zwar nicht unbedingt Spaß macht, aber wenigstens die Zeit vertreibt. "Er ist körperlich und geistig gut beisammen", weiß Hofrat Friedrich Novak, der Leiter der Justizanstalt, über den Insassen zu berichten, der - so die statistischen Aufzeichnungen des Justizministeriums - hier zu Lande gegenwärtig die längste durchlaufende Haft durchmacht.

Vorzeitige Entlassung abgelehnt

Dabei können "Lebenslange" nach Verbüßung von mindestens 15 Jahren ihre vorzeitige bedingte Entlassung beantragen. Bei Weinwurm wurde das angeblich schon mehrmals abgelehnt. Nun scheint er sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben. "Meines Wissens ist von ihm in letzter Zeit kein solcher Antrag mehr gekommen und daher auch nicht in Bearbeitung", meint "sein" Gefängnis-Direktor.

Sollte der lang gediente Häftling doch noch Lust verspüren, irgendwann auf freien Fuß gesetzt zu werden, müsste darüber das Landesgericht Krems als zuständiges Vollzugsgericht entscheiden.

Zumindest an einer ordentlichen Verpflegung wird es Weinwurm am Weihnachtsabend und den folgenden Feiertagen in seiner Zelle nicht mangeln. "Natürlich wird das Essen auf solche Anlässe abgestimmt. Es soll ja etwas Besonderes sein", verrät der Anstaltsleiter. So darf sich der 73-Jährige vor dem 40. Heiligen Abend hinter Gittern wenigstens auf "Fisch, ein Schnitzerl und eine zusätzliche Mehlspeise" freuen. (APA)