Nach Jahren der Krebsbehandlung für ein Kleinkind beantragte der Klinikvorstand eine familienorientierte Therapie. Die Kasse lehnte ab: Aus "volkswirtschaftlichen" Gründen und weil beim Kind keine Chance auf Heilung bestehe.

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Eine Entscheidung der Tiroler Gebietskrankenkasse (GKK) sorgt für Aufregung und Empörung bei der Österreichischen Kinderkrebshilfe. Eine Tiroler Familie hatte auf Anraten der Ärzte nach der Krebsbehandlung der zweieinhalbjährigen Tochter eine familienorientierte Rehabilitation beantragt. Die Krankenkasse lehnte dies ab. Die Begründung: Die Krankheit gilt als "infaust", das heißt, es gebe ohnehin keine Heilungsaussicht.

Im April 2000 war bei der zwei Monate alten Lena Oberkofler eine Cystische Fibrose festgestellt worden. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit, die zwar nicht heilbar ist, mit Medikamenten aber unter Kontrolle gehalten werden kann.

Angst vor einem Rückfall

Monate später wurde dann bei Lena ein Tumor an der linken Niere entdeckt. Es folgten mehrere Operationen. Im Jänner 2002 wurden im Knochenmark des Mädchens Metastasen gefunden. Lena musste sich einer Chemotherapie unterziehen. Im Juli 2002 durfte das Kind die Universitätsklinik Innsbruck verlassen, monatelange Therapien laufen jedoch weiter.

Lenas Eltern fühlen sich "leer". Die langen Spitalaufenthalte haben die Familie geteilt. Mutter Christine hatte Lena im Spital begleitet, Vater Roland hatte sich um das zweite Kind zu Hause gekümmert. Nun kommt die Angst vor einem Rückfall dazu.

Der Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Innsbruck beantragte daher bei der Tiroler Gebietskrankenkasse als "Bestandteil des Gesamtbehandlungsplanes" und "aus ärztlicher Sicht dringend" eine familienorientierte Therapie für die Familie Oberkofler.

"Aus ärztlicher Sicht nicht gerechtfertigt"

Der Tiroler Gebietskrankenkasse war dies nicht genug. Man holte eine Stellungnahme der Ärztlichen Direktion der Tiroler Landeskrankenanstalten Ges.m.b.H (Tilak) ein. Dort hieß es, dass eine solche Rehabilitation "aus ärztlicher Sicht nicht gerechtfertigt ist". In einem Schreiben an die Patientenvertretung teilt die Tilak mit, dass es "aus volkswirtschaftlichen Gründen wohl nicht tragbar" sei, das Ansuchen zu befürworten.

Christine und Roland Oberkofler finden diese Argumentation "sehr respektlos". In anderen Bundesländern würden Rehabilitationen sehr wohl genehmigt. Klinikvorstand Zimmerhackl: "Therapiekosten von 200.000 Euro sind kein Problem, aber 5000 Euro für die nachhaltige Wirksamkeit der Therapie sind eines."

Unverständnis herrscht auch bei der Kinderkrebshilfe. Vizepräsident Fritz Hausjell spricht von einer "menschlich unsensiblen" Vorgangsweise. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt viele Familien, die in einer ähnlichen Situation sind" - Kinder haben in Österreich nämlich keinen Rechtsanspruch auf Rehabilitation. (APA/DER STANDARD; Printausgabe, 22.12.2003)