Graz - Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Das Grazer Kulturbudget bleibt trotz des internationalen Erfolgs, den die mit Sondermitteln finanzierte Kulturhauptstadt Europas 2003 einfuhr, im kommenden Jahr gleich. Es wird rund neun Millionen Euro betragen. Von diesen stehen zwei für alle Kulturveranstalter mit Mehrjahresverträgen (die bisherigen laufen demnächst aus) zur Verfügung.

Die Zahl derer, mit denen nun ein Fördervertrag bis Ende 2006 abgeschlossen werden soll, hat sich aber aufgrund neuer Aktivitäten erhöht - von 43 auf knapp 50. In Graz wird daher nach den Kuchenkrümeln geschnappt. Eine zentrale Frage lautet: Warum soll der Theatermerz, eine sich selbst genügende Gruppe um den Regisseur Willi Bernhard, mehr Fördermittel (rund 90.000 Euro) erhalten als das mit exzellenten Kritiken bedachte, permanent ausverkaufte Theater im Bahnhof (73.100 Euro)?

Die Entscheidung ist allerdings keine des Kulturstadtrates: Christian Buchmann (VP) delegierte sie im Sommer an den SP-nahen Kulturmanager Otto Hochreiter, der bis vor einem Jahr an der Wiener Volksoper die rechte Hand von Exdirektor Dominique Mentha war. Hochreiter evaluierte den Output der Kulturveranstalter zusammen mit dem SP-nahen Kulturamtsleiter Peter Grabensberger. Und Merz-Prinzipal Willi Bernhard verfügt über hervorragende Kontakte zu den Sozialdemokraten.

Für das Theater im Bahnhof (TiB), das große Pläne für die Zukunft darlegte, kommt die Mitteilung allerdings fast einem Todesurteil gleich. Denn wenn man statt der geforderten 150.000 Euro jährlich nicht einmal die Hälfte erhält, wird die neu angelaufene Serie AMS für viele Mitarbeiter bittere Wahrheit: Sie müssen gekündigt werden. Das Theaterkollektiv betrübt, dass man lediglich 400 Euro mehr bekommen soll als im Jahr 1999 - "damals hatte das TiB aber ein Drittel der Angestellten".

Katharina Kocher-Lichem, Buchmanns Pressefrau, kontert, dass die Gruppe aufgrund ihrer Arbeit einen "progressiven Fördervertrag" (jährliche Erhöhung der Subvention) erhalten werde, andere hingegen einen "degressiven". Zudem seien die kolportierten Zahlen keine fixen: Sie müssen am 15. Jänner vom Gemeinderat abgesegnet werden.

Und bis dahin kann sich einiges ändern: Hochreiter und Grabensberger werden ihre Verteilungsbeweggründe dem Kulturausschuss darlegen. "Und wenn dieser den Entschluss fällt, dem TiB mehr Geld zukommen zu lassen, soll es dem Stadtrat recht sein", sagt Kocher-Lichem. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2003)