Wien - Während Regierung und Sozialpartner schon über den nächsten Schritt der Pensionsreform, die Harmonisierung, diskutieren, gibt es auf einer anderen Pensionsebene einen neuen Trend: Die Anmeldungen für den so genannten Pensionsvorschuss steigen drastisch an. Pensionsvorschuss erhalten Arbeitslose, die sich für arbeitsunfähig und damit frühpensionsreif erklären - während der Zeit, in der diese Arbeitslosen auf den Bescheid der Ärzte oder des Arbeitsgerichts warten, ob sie wirklich pensionsreif sind, erhalten sie nicht mehr Arbeitslosengeld, sondern eben Pensionsvorschuss.

Und diese Sonderpensionsform wird massiv genutzt. Während sie vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2002 lediglich um 6,3 Prozent anstieg, sind die Steigerungen heuer viel höher: Im Juni 2003 stieg die Zahl der Menschen, an die Pensionsvorschuss bezahlt wurde, um 45 Prozent, im Juli dann um 48 Prozent, im August ebenfalls um 48 Prozent. In einzelnen Bundesländern fallen diese Steigerungen im Vergleich zum Jahr 2002 noch höher aus: In Kärnten etwa waren es plus 83 Prozent.

In absoluten Zahlen sind es rund 25.000 Personen, die diesen Pensionsvorschuss erhalten - würden sie als Arbeitslose zählen, stiege die Arbeitslosigkeit um rund 0,8 Prozent. Für Karl Öllinger, den Sozialsprecher der Grünen, stellt dieser neue Trend zum Pensionsvorschuss weniger ein Schlupfloch in die Frühpension dar als eher eine Maßnahme zur "Behübschung" der Arbeitslosenstatistik. Denn, so Öllinger: "Die Zahlungen aus dem Pensionsvorschuss sind meist niedriger als das Arbeitslosengeld. Dennoch fürchte ich, dass die Regierung angesichts der Steigerungen beim Pensionsvorschuss argumentieren wird, dass man etwas gegen den Anstieg bei den Invaliditätspensionen machen muss."

Wenn man sich arbeitsunfähig meldet, wird man zur Begutachtung geschickt. Erkennt der Arzt keine Arbeitsunfähigkeit, kann man beim Arbeitsgericht dagegen berufen, dann entscheidet das Gericht. Bis zur Entscheidung des Gerichts wird Pensionsvorschuss bezahlt - monatelang. Für Öllinger hat diese Maßnahme vor allem für die Arbeitsmarktstatistik einen Vorteil, denn: "Wenn jemand Pensionsvorschuss bezog und nicht als arbeitsunfähig eingestuft wird, gilt er danach wieder als arbeitslos. Allerdings nicht als langzeitarbeitslos, sondern als neuer Arbeitsloser - die Zahl der Langzeitarbeitslosen fällt dadurch statistisch." (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2003)