Wien - Die Raiffeisen Zentralbank (RZB) wird ihre Ostbankenholding, in der alle Tochtergesellschaften in Osteuropa gebündelt sind, an die Börse bringen. RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner hat dazu bereits das Grüne Licht vom Aufsichtsrat. Die Vorbereitungen für diesen bei Raiffeisen "nicht ganz selbstverständlichen Schritt" würden rund eineinhalb Jahre dauern, so dass eine Notierung der "Raiffeisen International" in Wien und allenfalls an einer Ostbörse frühestens Mitte 2005 erfolgen könnte.

Das Mindest-Emissionsvolumen wurde am Montag vom Vorstand mit 500 bis 600 Mio. Euro beziffert. Ein Wert darunter wäre, wie auch Investmentbanken bereits geraten haben, für internationale Anleger nicht wirklich attraktiv. Für die Bank selbst würde sich ein geringerer Emissionswert wegen des Aufwands auch gar nicht rechnen. Der Vorstand will daraus aber keine IPO-Quote ableiten lassen.

Weiter Verhandlungen mit Finanzpartnern

Parallel fortgeführt werden die Gespräche mit finanzstarken Auslandspartnern für die Ostbankenholding, wo Rothensteiner mit zwei, "eher drei" aussichtsreichen Kandidaten verhandelt. Ein Ergebnis könnte schon "demnächst" stehen. Damit könnte es durchaus zu einem Mix von Börsegang und internationaler Partnerschaft kommen. In der Ost-Holding will die RZB "in jedem Fall die Mehrheit" behalten, betonte Rothensteiner am Montag vor Journalisten. Zur Disposition stehen insgesamt nur 49 Prozent.

In beiden Fällen, also Teil-Börsegang und minderheitlicher Partner-Einstieg wäre damit eine Kapitalerhöhung in der Ostholding verbunden. Mit dem Börseerlös bzw. dem frischen Kapital von Partnern soll die weitere Osteuropa-Expansion finanziert werden. Die RZB hat für Bankenkäufe in CEE bisher rund 300 Mio. Euro locker gemacht.

"Raiffeisen International"

Die Ostbankenholding - sie gehört derzeit zu 100 Prozent der RZB und hieß bisher RIB (Raiffeisen International Beteiligungs AG) - heißt seit ihrer kürzlichen Umbenennung "Raiffeisen International Bank Holding AG". Die neue Abkürzung lautet auf "RI", "Raiffeisen International".

In der RIB sind aktuell 14 Tochterbanken in 15 Märkten Zentral-Osteuropas (CEE) zusammengefasst. Mehr als 18.000 der RZB-konzernweit 21.600 Mitarbeiter sind heute schon in in den Banken in CEE tätig.

Albanien-Bank bringt Griechenland mit

Mitsamt der Albanischen Sparkasse (1.000 Beschäftigte), für die die RZB Ende voriger Woche den Zuschlag erhalten hat, betreibt die RZB in CEE dann 15 Tochterbanken in CEE. Die größte Bank Albaniens hat neben ihrem flächendeckenden Netz im eigenen Land auch noch für die RZB interessante Banklizenzen in Mazedonien und Griechenland. Mit dem Closing des 126 Mio. Dollar schweren Deals ist üblichweise in sechs Wochen zu rechnen.

Neben Erste Bank und Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) wird mit Raiffeisen voraussichtlich ab Mitte 2005 eine weitere Aktie einer österreichischen Großbank mit Osteuropa-Schwerpunkt den Wiener Kurszettel bereichern. In der "Story" für den Börsegang sprechen laut Rothensteiner das größte CEE-Niederlassungsnetz für seine Gesellschaft, die dazu eine "reine CEE-Beteiligung" ist. Im Unterschied zu den anderen sei hier das Osteuropa-Geschäft "frei gestellt", in "Raiffeisen International"-Aktie also das Österreich-Geschäft nicht dabei.

Gutes Wachstum

Um 36 Prozent ist im Jahr 2003 die Bilanzsumme der RZB-Töchter im zentral-osteuropäischen Ausland gewachsen. Die ausländischen Netzwerkbanken stellen 19,6 Mrd. Euro der RZB-Konzernbilanzsumme von 56,4 Mrd. Euro.

"Überproportional" war auch 2003 der Gewinnbeitrag der Ostnetzwerkbanken: Für sie erwartet der Vorstand für 2003 einen Gewinn vor Steuern von 248 (Vorjahr: 175) Mio. Euro, nach Steuern ist aus CEE ein Jahresüberschuss von 195 Mio. Euro in Sicht, ein Zuwachs von 43 Prozent.

Der gesamte RZB-Konzern erwartet 2003 einen Jahresüberschuss vor Steuern von 317 Mio. Euro (plus 31 Prozent), nach Steuern ergebe sich ein voraussichtlicher Jahresüberschuss von 252 Mio. Euro (plus 39 Prozent). (APA)