Die Sozialpartner haben sich mit der Teilzeit seit jeher schwer getan. Noch in den Achtzigerjahren zählte die Arbeiterkammer zu den schärfsten Gegnern der Teilzeitarbeit, die sie für einen von Unternehmern verordneten Zwang hielt. "Ganz oder gar nicht" lautete die unausgesprochene Devise, die jetzt offenbar von der Wirtschaftskammer gerade wieder exhumiert wird. Im Laufe des nächsten Jahres soll ein Recht auf Teilzeitarbeit für Eltern kommen, und zwar bis zum siebten Lebensjahr des Kindes, aber nur für Firmen ab 20 Mitarbeitern. Die Wirtschaft möchte das Gesetz jetzt gern noch weiter durchlöchern - und beispielsweise Betriebe mit Schichtbetrieb von dieser lästigen Verpflichtung befreien.

Verfügbarkeit als Fetisch im Berufsleben

Aber irgendwann einmal wird genau dieselbe Wirtschaft in das große Wehklagen über den fehlenden Arbeitskräfte- und KonsumentInnennachwuchs ausbrechen. Wer heute Kind und (qualifizierten) Beruf unter einen Hut bringen will, hat es nämlich schwerer als noch vor ein, zwei Jahrzehnten. Viele - vor allem gebildete - Frauen schieben daher ihren Kinderwunsch auf den Sankt-Nimmerleins-Tag hinaus. Eine zumindest theoretische Verfügbarkeit rund um die Uhr ist zum großen Fetisch im Berufsleben geworden. Menschen mit Kindern sind da quasi behindert. Und weil der Wind rauer geworden ist, "überleben" nur mehr die schnellsten, flexibelsten, mobilsten Arbeitnehmer.

Natürlich gibt es auch Betriebe, die längst wissen, dass Familienfreundlichkeit letztlich auch den Arbeitgebern nutzt. Wäre dieses Bewusstsein weiter verbreitet, bräuchte es ohnehin kein Gesetz. Im internationalen Vergleich haben übrigens Länder mit hohen Teilzeitquoten auch besonders hohe Frauenerwerbsquoten - und mehr Kinder. Ganz oder gar nicht? Verräumen wir das doch lieber in der Mottenkiste der Sozialpartner. (D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 23.12. 2003)