Wien - Die neuen Öffnungszeiten in Österreich, die in einigen Bundesländern ein- bis zweimal pro Woche längere Abendöffnung bis 21 Uhr möglich machen, haben im diesjährigen Weihnachtsgeschäft kaum eine Rolle gespielt, sagte Peter Voithofer, Handelsforscher bei KMU Forschung Austria, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Nur dort, wo ganz klar war, dass die Geschäfte tatsächlich offen sind, hätten die langen Abende funktioniert. Der Focus bei der Suche nach Geschenken lag neuerlich auf den Samstagen, allerdings brachte nur der 4. Adventsamstag mehr Umsatz als im Vorjahr - konkret 4 Prozent.

Vierter Samstag stark

Der vierte Adventsamstag war auch der umsatzstärkste Tag im Weihnachtsgeschäft 2003. An den ersten drei Samstagen hatten die bundesweit 350 Einzelhandelsbetriebe, die von KMU Forschung Austria wöchentlich befragt werden, ein Minus zwischen 3 und 6 Prozent gemeldet. Der Umsatz an diesem Tag war um 84 Prozent höher als am ersten Adventsamstag. Während der Woche war das Geschäft - trotz der teils längeren Öffnungszeiten - generell eher flau. "Öffnungszeiten funktionieren eben nicht wie Lichtschalter, wo die Kunden sofort kommen wenn offen ist", so Voithofer. Der Umsatz am 8. Dezember - offiziell ein Feiertag, allerdings dürfen die Geschäfte offen halten - sei deutlich über einem normalen Wochentag gelegen, jedoch unter dem Niveau der Samstage.

Eine Differenzierung nach Bundesländern bzw. Standorten wurde nicht vorgenommen, indikativ zeige sich aber in Einkaufszentren, Einkaufstraßen, Bezirkstädten wie Landeshauptstädten sowie im Westen wie im Osten ein ähnliches Bild, betonte Voithofer. Auch auf den zahlreichen Weihnachtsmärkte setzten die Mehrheit der Stände (ohne reine Punsch- bwz. Nahrungsmittelstände) weniger um als im Vorjahr.

Weihnachtsgeschäft verliert an Bedeutung

Langfristig geht die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts - definiert als Mehrumsatz im Dezember, der über den Durchschnitt von Jänner bis November hinausgeht - im Handel zurück. Mit 1,4 Mrd. Euro werden nur noch rund 3,8 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes im Weihnachtgeschäft gemacht. Gründe für den Rückgang sind die demographische Entwicklung, also weniger Kinder - aber auch ein geändertes Schenkverhalten. Früher habe es zwei Mal im Jahr so genannte "Mixermonate" gegeben, in denen die Mütter mit Haushaltsgeräten beschenkt wurden. "Das würde sich heute keiner mehr trauen", erklärte Voithofer.

Kurzfristig sei gerade in den Modebranchen das Wetter entscheidend. Mit sinkenden Temperaturen steigen die Umsätze der Schuh- und Textilhändler, bleibe es dagegen warm, kaufe kaum jemand Stiefel oder wärmende Jacken. Entsprechend voll seien die Lager und entsprechend nervös die Händler, beschreibt der Obmann der Sparte Handel, Erich Lemler, die Lage, übt aber dennoch Kritik am fast schon traditionellen Start von Abverkaufsaktionen bereits vor Weihnachten. Etwa 23 Prozent der Unternehmen gaben bei der jüngsten Trendumfrage der KMU Forschung Austria an, schon mit dem Ausverkauf begonnen zu haben. (APA)