Wien - So richtig schöner Weihnachtfrieden wollte sich in der Politik bis zuletzt nicht einstellen. ÖVP-Generalsekretär Reinhard Lopatka präsentierte am Dienstag in einer Pressekonferenz zwei Umfragen, die seiner Meinung nach den Koalitionskurs bestätigen. Laut Fessel GfK-Erhebung befinden 51 Prozent der Befragten die Regierungsarbeit "im Großen und Ganzen" für gut. Dazu hatte Lopatka ein paar Nadelstiche für die SPÖ bereit: Denn in einer market-Umfrage wurde erhoben, welcher Politiker sich im Jahr 2003 "am besten geschlagen" habe: 33 Prozent tippten demnach auf Wolfgang Schüssel, nur 14 Prozent auf den Chef der Sozialdemokraten, Alfred Gusenbauer.

"Wunsch ans Christkind"

Prompt wurde dies von SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos als "Wunsch ans Christkind in letzter Minute" gewertet. Und er zitierte ganz andere Umfrage-Tatsachen: zum Beispiel, dass nur sechs Prozent der Österreicher hinter der "schwarz-blauen Verlierer-Koalition stehen" und auch kein Kanzlerbonus sichtbar sei.

"Selbst der Teufel wird milde"

Da blieb FP-Generalsekretärin Magda Bleckmann nur ein Stoßseufzer übrig: "Wenn nun heuer schon kein Weihnachtsfriede in der Politik einzieht, dann doch hoffentlich in den Herzen der Menschen." Und sie scheute sich auch nicht, eine Tiroler Spruchweisheit zu zitieren: "Wenn die Weihnachtsglocken läuten, wird selbst der Teufel milde."

Langzeitarbeitslose nicht an den Rand drängen

Schließlich gab es wenigstens sachpolitisch nicht ganz so harte Bandagen: So lautete der Weihnachtswunsch des Caritas-Präsidenten Franz Küberl, Arbeitslose "nicht an den Rand" zu drängen. Im November sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 70 Prozent gestiegen. Die Menschenrechtssprecherin der Grünen, Terezija Stoisits, mahnte noch schnell vor dem Familienfest, dass Österreich das einzige EU-Land sei, in dem die Familienzusammenführung von Zuwanderern quotiert werde. Dem entgegnete die ÖVP per Aussendung, dass es unter dem jetzigen Innenminister Ernst Strasser die höchste je gemessene Familienzusammenführung gebe.

Schwarz-grüner Weihrauch

Schwarz-grüner Weihrauch drang hingegen von Oberösterreich nach Wien: Denn Landeshauptmann Josef Pühringer (VP) und Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) zogen zufrieden Bilanz über ihre ersten acht gemeinsamen Wochen. Das Klima sei konstruktiv, auch wenn es manchmal Probleme gebe. Empfehlungen für eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Bundesebene wollten sie aber beide nicht geben. Wer weiß schon, ob die in Wien so eia popeia wäre. (mon, APA)