Linz - Eine harte Zeit geht zu Ende: Wenn die Punschhütten schließen, ist für Suchtkranke das Schlimmste vorbei.

"Gerade die Zeit rund um Weihnachten übt auf unsere Klientel von vielen Seiten einen besonderen Druck aus", erklärt der Suchtberater und Leiter des Aloa-Hauses (Aktiv leben ohne Alkohol) des Linzer Sozialvereins B37, Helmut Herain. Die Verlockung sei groß, wenn "es an jeder Ecke nach Punsch duftet und das gesellige Beisammensein in der Vorweihnachtszeit meistens mit alkoholischen Getränken verbunden ist".

Hinzu komme bei vielen trockenen Alkoholikern, dass sie, "gerade wenn alle anderen Geschenke kaufen und sich auf ein Familienfest freuen, ihre suchtbedingte Einsamkeit zu spüren bekommen".

Bei bestimmten Suchttypen muss es nicht einmal der Griff zur Flasche sein, der zu einem Rückfall führt: "Oft reicht schon das Likörflascherl am Christbaum oder der mit Rotwein abgeschmeckte Wildbraten, dass Suchtkranke in alte Muster zurückfallen", erklärt Herain.

Deshalb trifft man im Aloa-Haus ganz spezielle Weihnachtsvorbereitungen. Mit den 13 Menschen, die in der Linzer Innenstadt in kleinen Wohngemeinschaften leben, arbeiten Therapeuten und Sozialarbeiter spezielle "Überlebensstrategien" für die Weihnachtszeit aus.

"Außerdem beobachten wir unsere Klientel noch genauer", erklärt Herain. Gegen depressive Verstimmungen bietet das Haus den entwöhnten Bewohnern neben Licht- und Gesprächstherapien vor allem einen Platz, an dem nach Jahren der Obdachlosigkeit Hoffnung keimen kann. (mro/DERSTANDARD, Printausgabe, 24.12.2003)