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Stichflamme im Wohnzimmer: Romano Prodi erhielt eine Briefbombe. Tage zuvor explodierten zwei Sprengsätze in der Nähe seiner Wohnung.

Foto: APA/EPA/Giorgio Benvenuti
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist am Samstag einem Briefbombenanschlag unverletzt entgangen. Beim Öffnen eines Umschlages, der ein Buch enthielt, explodierte ein mit einer Batterie verbundener Sprengsatz. Die Flammen verursachten Brandschäden an einigen Möbelstücken in Prodis Wohnung in Bologna, wo der Kommissionspräsident die Weihnachtstage verbringt.

Prodi hatte den Umschlag in Anwesenheit seiner Frau Flavia geöffnet, an die er adressiert war. "Ich hielt ihn ziemlich weit weg, sodass ich von der Flamme nicht berührt wurde", schilderte Prodi den Hergang des Anschlags. Er habe den Umschlag sofort fallen lassen. Die Wirkung der Bombe sei gering gewesen, so Prodi: "Es war sicher nur als demonstrativer Akt gedacht." Er sei unbeeindruckt und fühle sich ausreichend geschützt.

Die Büchersendung war am 22. Dezember in einem Postamt in Bologna aufgegeben worden. Die Sicherheitsmaßnahmen waren erst in der letzten Woche verstärkt worden, nachdem in unmittelbarer Nähe von Prodis Wohnung zwei Bomben in Müllcontainern explodiert waren und einen Brand ausgelöst hatten. In der Buchhandlung Feltrinelli in Bologna war ein Schaufenster eingeschlagen worden, in dem mehrere Bücher Prodis ausgestellt waren. Die Täter hinterließen ein Schreiben mit Drohungen gegen den Präsidenten der EU-Kommission, in dem die EU als "wirtschaftlicher und militärischer Unterdrückungsapparat" verunglimpft wurde. Hinter den Anschlägen vermutet die Polizei anarchistische Gruppen.

Berlusconi solidarisch Staatspräsident Carlo D'Azeglio Ciampi und Regierungschef Silvio Berlusconi sprachen Prodi ihre Solidarität aus. Der ebenfalls in Bologna wohnende Parlamentspräsident Pierferdinando Casini besuchte Prodi in dessen Wohnung. Auch der französische Präsident Chirac telefonierte mit ihm. "Er hat mich getadelt, weil ich meine Post selbst geöffnet habe", witzelte der Kommissionspräsident nach dem Gespräch. Es gebe keinen Anlass zur Besorgnis.

Unterdessen sorgt in Italien ein Interview für Polemiken, in dem Regierungschef Berlusconi von einem geplanten Anschlag auf den Vatikan gesprochen hatte. Am Weihnachtstag habe es Großalarm wegen eines möglichen Anschlags aus der Luft gegeben. Berlusconi dementierte diese Aussage, das Rechtsblatt Libero bestätigte den Inhalt des Interviews. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2003)