Washington - In den USA trennen sich die Geschlechter bei der politischen Einstellung immer stärker, haben MeinungsforscherInnen ermittelt. Galten früher die RepublikanerInnen als die "Partei der Reichen", und die DemokratInnen als die Gruppierung für ArbeitnehmerInnen und ärmere, so werden heute die RepublikanerInnen schlicht von vielen als die "Männerpartei" betrachtet, während die DemokratInnen besonders bei gebildeten Amerikanerinnen immer stärker punkten können.

US-Präsident George W. Bush hat mit seinem "Cowboy"-Gehabe im Weißen Haus die politische Spaltung zwischen den Geschlechtern noch verschärft. Weniger die Inhalte seiner Politik als sein persönlicher Stil haben den Präsidenten besonders bei Männern so beliebt gemacht: Seine demonstrative Ungeduld mit traditioneller Diplomatie, seine direkten oft rauen Worte und seine energisch wirkenden Aktionen entsprächen "einem altmodischen Männlichkeits-Ideal, das in unserer kulturellen Mythologie tief verwurzelt ist", meint etwa der ehemalige Berater von Ex-Präsident Bill Clinton, Bill Galston, gegenüber der "Los Angeles Times": "Gemäß diesem Ideal braucht ein echter Mann wenig Worte und viel Action, wie im Film 'High Noon'."

Umfragen

Das vorgelebte "Männlichkeits-Gehabe" spricht jedenfalls primär Geschlechtsgenossen an: Insbesondere weiße Männer entscheiden sich derzeit zu 62 Prozent für Bush, nur 29 Prozent wollen bei den nächsten Präsidentenwahlen im November 2004 einem Demokraten, einer Demokratin ihre Stimme geben, ergab eine Umfrage der "Washington Post" vergangene Woche.

Die Zustimmung zum "Männer-Ideal" Bush scheint trend-resistent zu sein: Auch im Herbst, als die Popularität des Präsidenten grundelte, lag Bush bei der Wählergruppe "weiß und männlich" noch immer um stolze 27 Prozentpunkte vorne, während die Zielgruppe "weiß und weiblich" damals knapp einen Demokraten bevorzugt hätte.

Geschichte

Der große Vorsprung bei weißen Männern hat schon den Republikanern Richard Nixon 1972 und Ronald Reagan 1984 zu Wahlsiegen verholfen: Beide führten in dieser Gruppe mit 35 Prozentpunkten Differenz zum jeweiligen demokratischen Bewerber. Demokrat Bill Clinton hingegen gewann die Präsidentschaftswahlen 1996 hingegen durch das große Vertrauen der Wählerinnen. Und ginge es nur nach den Frauen dann hätte im Jahr 2000 der Demokrat Al Gore ganz klar gewonnen, denn damals entschieden sich die Wählerinnen mit einer Differenz von elf Prozentpunkten für ihn - beziehungsweise gegen George W. Bush.

Mögliche Gründe

Über die Gründe für diese Entwicklung kann nur spekuliert werden. Vermutlich würden Frauen auch bei höherer Bildung und hohem Einkommen immer noch die Notwendigkeit eines staatlich finanzierten Sozialsystems stärker erkennen als etwa mehr oder weniger erfolgreiche Männer, die Steuern primär als Abzugsposten ihres Einkommens sähen. Ausschlaggebend könnten auch eigene Erfahrungen oder Beobachtungen anderer Frauen mit Armut sein sowie die vorsichtigere Selbsteinschätzung, vielleicht einmal selber auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Wählerinnen reagieren jedenfalls sozialer, Wähler schauen mehr auf den eigenen Vorteil, wissen die ParteistrategInnen.

Interessant ist für PolitologInnen und PsychologInnen auch der so genannte "Aber sicher doch, Liebling"- Faktor, wie ihn die Wahlstrategin Celinda Lake nennt. Die wachsende politische Kluft zwischen den Geschlechtern wird nämlich nicht von allen auch wahrgenommen. Bei einer Umfrage nach den letzten Präsidentschaftswahlen versicherten drei Viertel der verheirateten Männer, ihre Partnerin hätte ebenso wie sie selber gewählt. Bei den befragten Ehefrauen war nur die Hälfte dieser Meinung.

Bushs Gegenstrategie

Um die Frauen doch noch ins republikanische Lager zu Bush zu holen wurde von seinen Spin-Doktoren bei den letzten Wahlen die Parole "mitfühlender Konservativismus" (compassionate conservatism) entwickelt, die jetzt von empörten DemokratInnen mit Statistiken über steigende Armut und Ausgrenzung unter Bush als hohle Worthülse angeprangert wird.

Umgekehrt schockte der Bewerber um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der DemokratInnen, Howard Dean, sein Stammwählerpotenzial der Bush-GegnerInnen, als er davon sprach die "Typen mit der Südstaaaten-Flagge auf ihren Pick-Up-Trucks", traditionelle Bush-Wähler, mit ökonomischen Themen verstärkt anzusprechen. Einzig dem Demokraten Wesley Clark werden von InsiderInnen derzeit gute Chancen sowohl bei sozial denkenden Linken als auch bei Bush's Macho-Fanclub zugetraut - "schließlich hat der General als NATO-Oberbefehlshaber schon einen Krieg gewonnen". (APA)