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Fotografen und Kameraleute warteten umsonst: Christian und seine Mutter dürften das Spital durch einen Tunnel verlassen haben

Foto: APA/Neumayr
Salzburg - Im Tauziehen um das achtjährige Scheidungskind Christian W. ist heute, Donnerstag, vorläufig Ruhe eingekehrt. Der Bub, der nach eigenen Angaben lieber beim Vater bleiben will und sich am Montagabend gegen die Abholung von Gerichtsvollziehern heftig gewehrt hatte, befindet sich seit gestern, Mittwoch, Abend bei seiner Mutter. Sie wurden in eine Betreuungseinrichtung gebracht, bestätigte Hadmar Hufnagl, Vorsteher des Bezirksgerichts, auf Anfrage. Wann die beiden nach Schweden abreisen werden, war noch unklar.

Mutter holte Kind aus dem Spital

Die Mutter des Volksschülers, die in Schweden wohnt und das Sorgerecht hat, brachte ihren Sohn in Begleitung von insgesamt vier Polizisten in Zivilkleidung aus dem Salzburger St.-Johanns-Spital.

Der Vater, der behauptete, das Kind wolle lieber bei ihm in Salzburg bleiben, warf den Behörden eine "unmenschliche Vorgangsweise" vor. Der Vorsteher des Salzburger Bezirksgerichts, Hadmar Hufnagl, zeigte sich mit dem Ablauf der Aktion "sehr zufrieden". "Der richterliche Beschluss, dass die Mutter das Obsorgerecht hat, ist damit vollzogen."

Gericht nicht mehr zuständig

Seit Christian in den Armen der Mutter liege, sei das Gericht nicht mehr zuständig, betonte Hufnagl. Eine psychologische Betreuung sei aber gewährleistet. Der Vater des Buben, Ulf W., stellte gegenüber der APA die Vermutung an, dass seine 33-jährige Ex-Frau mit Christian bald nach Schweden fliegen wolle. Genaueres wisse er nicht, er habe keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn.

Rechtliche Schritte gegen die Gerichtsvollzieher

Ob er rechtliche Schritte gegen die Gerichtsvollzieher einleite, werde er sich noch überlegen, sagte W. "Der Rechtsstaat hat nicht funktioniert. Ich gebe ihm noch kurze Zeit - ein paar Tage - ob dieser den internen Untersuchungen ernsthaft nachgeht oder ob es sich nur um eine formale Ankündigung gehandelt hat." Seiner Meinung nach seien für die grobe Behandlung seines Sohnes am Montagabend in Großgmain nicht nur die Exekutoren verantwortlich, sondern auch die dienstgebende Behörde.

Brüder vermissen sich

Seinem zweiten Sohn Christoffer (12), der bei ihm in Salzburg bleiben darf, gehe es derzeit "sehr schlecht", Christian fehle seinem Bruder sehr, schilderte der Schwede. "Er ist verängstigt." Wenn nötig, werde Christoffer eine psychologische Betreuung in Anspruch nehmen.

Demo für Kinderrechte vor dem Salzburger Justizgebäude

Zwei Salzburgerinnen bereiteten am Donnerstagvormittag eine von ihnen in Privatinitiative für 18.00 Uhr geplante Demonstration vor dem Salzburger Justizgebäude vor. "Ohne uns im konkreten Fall einzumischen, wollen wir aufzeigen, dass Kinder das Recht auf Anhörung haben, ihre Wünsche und Meinungen respektiert werden müssen", begründete die Salzburger Mutter Anita Gerhardter die spontane, "aus Empörung" hervorgerufene Aktion. Im Fall des Christian W. "wurde die Würde eines Kindes massiv mit den Füßen getreten".

Die Altersgrenze beim Anhörungsrecht von Kindern bei Gericht - derzeit ab zwölf Jahren zulässig - gehöre gesenkt, lautet eine weitere Forderung der Aktivisten. Wie viele Menschen an der Demonstration teilnehmen werden, wisse sie nicht, sagte Gerhardter.(APA)