Geras - 33 Jahre lang soll ein heute 60-jähriger Geistlicher minderjährige Buben im niederösterreichischen Stift Geras sexuell missbraucht haben. Unter Verdacht war der Priester schon früher gekommen, in der Vergangenheit beließ man es aber bei Versetzungen und verpflichtenden Therapien.

Von insgesamt neun Opfern zwischen 1968 und 2001 weiß bisher die niederösterreichische Kriminalabteilung, berichtet Ermittler Klaus Preining. Der mittlerweile schwer kranke 60-jährige Geistliche hat im Zuge der Einvernahme "sehr schnell eine Lebensbeichte" abgelegt und sich "sehr kooperativ verhalten". Untersuchungshaft wurde keine beantragt, da weder Verdunkelungs- noch Fluchtgefahr bestehe. Reisepass und Autoschlüssel wurden dem belgischen Staatsbürger aber abgenommen.

Autorität ausgenützt

"Er hat gesagt, es sei keinerlei körperliche Gewalt im Spiel gewesen. Er dürfte seine Autorität als Erzieher im Internat ausgenützt haben", erläutert Preining. Dass die sexuellen Handlungen mit den minderjährigen Buben, wie der Priester erklärt hatte, auf freiwilliger Basis stattgefunden haben, bezweifelt der Kriminalist jedoch. "Er hat versucht dagegen anzukämpfen, hat sich in Therapie begeben, ist teilweise auch dazu vergattert worden und wurde auch einige Male versetzt", so Preining.

Beim Verhör habe der Mann "gute Anhaltspunkte zur Ausforschung der Opfer" geliefert. Diese werden nun befragt: "So weit das eben möglich ist. Es kann ja auch sein, dass die Personen nicht darüber reden wollen." Der Verdächtige befinde sich derzeit im Stift Geras in einer "Art Hausarrest", der allerdings nicht polizeilich angeordnet ist.

Nach Abschluss der Erhebungen wird Anzeige gegen den Priester erhoben werden, anschließend ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Ob er im Falle einer eventuellen Verurteilung eine unbedingte Haftstrafe antreten muss, werde aber von seinem Gesundheitszustand abhängen. (APA)