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Wahrscheinlich bist du auch keine Frau, sondern ein alter Macker, der eine junge Frau will.

Foto: APA/dpa/Jörg-Michael Dettmer

Yvonne erzählte, Lilian habe ihr schon wieder geschrieben. "Was schreibt sie diesmal?", fragte Leslie. Yvonne las die Mail vor: "Hallo, mein Name ist Lilian, und ich bin ein schönes, junges Mädchen, treu, liebevoll, zart und sehr fürsorglich. Ich bin ernsthaft auf der Suche nach einer Beziehung, die zu allem führen kann. Heute habe ich Ihr Profil gesehen, und ich liebe es. Ich glaube, wir könnten einander schreiben. Bitte, ich will, dass Sie mich über meine private Mailadresse (lilianababy010@yahoo.com) kontaktieren. Ich werde Ihnen gerne mein Foto zeigen, und zugleich werden Sie mehr über mich erfahren. Ich hoffe, dass ich bald von Ihnen höre. Und lass uns unsere Gefühle teilen. Ihr Fräulein Lilian."

Leslie lächelte: "Ich weiß auch nicht, warum die gerade so auf dich steht, Yvonne." Yvonne sagte, dass sie sich dauernd vorstellen musste, in welch furchtbaren Verhältnissen Lilian wohl leben musste, dass sie so devote Briefe verfasste. Zora packte ihren Laptop aus und schrieb: Hallo lilianababy010, mein Name ist Zora, und ich glaube dir nicht, dass du ein Baby bist. Wahrscheinlich bist du auch keine Frau, sondern ein alter Macker, der eine junge Frau will, die ihn deshalb aufopfernd betreut, weil sie Kohle braucht. Aber lilianababy010, wir sind sicher: Damit bist du auf dem Holzweg. Denn solche Verhältnisse machen langfristig und dauerhaft unglücklich. Zumindest die Frauen. Und lilianababy010, du willst uns doch nicht unglücklich machen, oder? Am besten ist, du schreibst einfach niemandem mehr, dann richtest du keinen Schaden an! Wir sind jedenfalls ganz ernsthaft nicht an einer Beziehung mit dir interessiert. Zora, Leslie, Yvonne. (Adelheid Wölfl/Der Standard/rondo/05/12/2008)