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Es ist erwiesen, dass mehr Männer als Frauen Gartenzwerge erwerben.

Foto: APA/dpa/Heinz Hirndorf

Fragt man bei der in Basel beheimateten "Internationalen Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge" - welchselbige selbstverständlich nicht von uns, sondern von einem unter dem Namen Fritz Friedmann bekannten Mann erfunden wurde - fragt man dort also an, warum diese Zipfelmützer ausschließlich in der männlichen Variante vorkommen, so kriegt man folgende Antwort: "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf."

Aha! Bevor Ihre Gedanken nun aber in Lissajouschen Figuren über den Begriffen "können" und "dürfen" in Endlosschleifen dahinjagen: stopp! Denn dieses federleichte Bällchen der Argumentation sollten die den Gartenzwergen übel Gesonnenen vielmehr zurückblasen wie eine ausgereifte Löwenzahnblüte. Wenn sie es der Mühe wert erachten.

Denn würde dem mit der Siegesgewissheit der Einfalt vorgetragenen Totschlagargument auch nur ein Zipfel Wahrheit innewohnen, so dürfte es, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, letztlich überhaupt keine Gartenzwerge geben.

Ausnehmend hässliche Männer

Was nachweislich nicht stimmt, womit der Satz widerlegt wäre. Es sind der Gartenzwerge tatsächlich ungeheuer viele. Lauter kleine, so gut wie immer ausnehmend hässliche Männer. In Deutschland, wo es die meisten von ihnen gibt, weil sie dort vor ungefähr 140 Jahren aus welchen Gründen auch immer erfunden wurden, kommt auf vier Menschen (inklusive Frauen) bereits ein Gartenzwerg, kein Witz. Population weiter steigend.

Und sie haben all jene Features, die Männer so richtig ungustiös machen - vom Bierbauch bis hin zum saturierten Lächeln unter der Knollennase und über dem Rauschebart und einem ewigen, sinnlosen Starren. Darüber hinaus stehen sie völlig nutzlos nichts tuend oder Tätigkeiten halblahm vortäuschend in der Gegend herum. Gern auch mit dem Bierkrug in der Hand oder mit der Pfeife und im Schlafrock. Sie lehnen an Schaufeln oder liegen im Gras. Manche stehen mit gerade entblößten Hintern gebückt kurz vor der Erleichterung, andere tun das, wofür Exhibitionisten in den Häfen kommen, kurzum, der Gartenzwerg zeigt im Kleinformat alle Züge größter Ungustelei.

Braucht man das? Nein. Aber man kriegt's manchmal. Da wir uns stets, wie Sie wissen, nur auf dem politisch völlig korrekten Parkett bewegen, möchten wir an dieser Stelle darauf verweisen, dass wir argumentativ immer noch ausschließlich beim Zwerg sind - nur für den Fall, Sie wären zwischenzeitlich bei anderen Assoziationen gelandet.

Üble zwischenmenschliche Notlage

Man braucht ihn also nicht, aber man kriegt ihn manchmal: und zwar, wenn er als Geschenk in und damit über das Heim kommt. Wenn die schenkende Person eine ist, die man eigentlich ansonsten mag (aus Gründen, über die man in exakt diesem Moment doch ein wenig ins Grübeln gerät), ist man als Beschenkter sofort in einer ganz üblen zwischenmenschlichen Notlage.

Wir schreiben das, weil ja jetzt bald Weihnachten ist und allerorten nach Geschenken gesucht wird und man dabei gelegentlich auf ganz dumme Ideen verfällt. Überleget euch also gut, wem ihr einen Gartenzwerg schenkt und ob er/sie das wirklich verdient hat.

Einer, dem das widerfuhr, stellte den Zwerg sicherheitshalber in der finstersten Zone unter dem dichtesten Baum ab, der in seinem Garten wuchs. Es nützte nichts, er wurde von Besuchern immer wieder entdeckt und mit hochgezogenen Brauen betrachtet. So ein Schweigen ist dann ganz schön schwierig zu durchbrechen. Ein anderer uns bekannter Gärtner, und das gab uns lange zu denken, kaufte sich freiwillig einen. Warum nur, frugen wir ihn. Wa-rum? Das ewige Lächeln dieses Zwerges, so lautete die Antwort, stimme ihn beim Vorübergehen jedes Mal milde und heiter. Es ist erwiesen, dass mehr Männer als Frauen Gartenzwerge erwerben, was angesichts der beschriebenen Zustände ja nicht weiter erstaunt. Aber vielleicht ist es doch so, dass Frauen das Prinzip Gartenzwerg oftmals so zur Genüge kennen, dass sie sich zumindest den eigenen Vorgarten davon freihalten wollen? Wer weiß. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/19/12/2008)