Entwurf von Nina Hollein

Foto: Hersteller

Im Mühlviertel wächst traditionell ein besonders hartnäckiges Gewächs: der Flachs. Die Weber der Gegend machten daraus Stoffe für den Hausgebrauch. Geschirrtücher, Stalltücher, Tischwäsche, Bettwäsche. Jede Kleinweberei hatte ihr eigenes Design, meist ein Karo. Fast so wie die Clans der schottischen Highlands. Von den Webern haben nicht viele die Umwälzungen auf dem Textilmarkt überlebt.

Die Mühlviertlerin Nina Hollein fand, dass es hier etwas zu bewahren gibt. Die Architektin und Mutter von drei Kindern warf das Interesse an der lokalen Tradition, die Lust am Schneidern, ästhetische Vorstellungen und die Anforderungen des Alltags mit Kindern in einen Topf, rührte einmal um, und heraus kam eine Kleiderkollektion für große und kleine Leute. "Es gibt ein Mütterdilemma. Man will die Kinder nicht uniformieren, was automatisch passiert, wenn alle im selben Geschäft einkaufen. Man will sie aber auch nicht in High-Fashion stecken, sondern in was ,Normales', das man auch ordentlich waschen kann." Ein weiteres Dilemma ortet Nina Hollein bei der Kleiderwahl in Erwachsenengrößen. "Individuell zu sein bedeutet, Dinge in einen unerwarteten Kontext zu setzen. Total Look ist total banal."

So sind ihre Kleider auch dazu gedacht, tagsüber getragen und an einen geänderten Kontext (Cocktail, Abend) mit anderen Accessoires adaptiert zu werden. Orientiert hat sie sich weder an der Geschichte der Mode noch an Trends. "Ich hab halt Architektur studiert. Meine Entwürfe sind geometrisch. Wie Grundrisse. Die Schnitte sind einfach. Allerdings finde ich, dass es das Schwierigste ist, etwas Einfaches gut zu machen." Und so will sie sich auch gar nicht mit Designern oder Schneidern messen.

Genäht werden Teile in einer Manufaktur in Frankfurt, wo die Holleins wohnen. Verkauft werden die Kleider weder in Geschäften noch in einem Online-Shop, sondern an Verkaufstagen, die auf der Homepage zu erfahren sind. Zum Beispiel demnächst in Wien, am Montag, dem 20. April, von 10.30 bis 18.00 Uhr in der Galerie Mezzanin, Getreidemarkt 14, 1010. (Bettina Stimeder/Der Standard/rondo/17/04/2009)