Bild nicht mehr verfügbar.

Iris Strubegger für Stella McCartney; ready to wear 2009

Foto: Reuters

Bild nicht mehr verfügbar.

Gerhard Freidl

Foto: AP

Bild nicht mehr verfügbar.

Iris Strubegger für Alexander McQueen; Herbst/Winter 09

Foto: AP

In dieser Saison lief sie auf mehr als 50 Modeschauen, im März war sie Covermodel der französischen Vogue, als einzige Österreicherin befindet sie sich in der Top-50-Model-Weltrangliste – auf Platz 23: Auf Iris Strubegger aus St. Johann im Pongau trifft das Wort Topmodel zu Recht zu. Wir erreichen die 1,80 Meter große 24-Jährige in New York. Am Folgetag soll sie für Fotoaufnahmen nach Mexiko fliegen.

Der Standard: Wie bist du Model geworden?

Iris Strubegger: Ich war auf Schüleraustausch in New York. Auf der Straße hat mich jemand angesprochen, ob ich nicht Model werden will.

Der Standard: Wie hast du reagiert?

Strubegger: Ich war skeptisch. Ich bin aber trotzdem zu einigen Agenturen und habe mich vorgestellt. Sie waren sofort begeistert. Ich habe dann vor sechs Jahren angefangen zu modeln. Ich wollte aber zuerst mein Studium an der FH Salzburg fertigmachen. So richtig los ging es erst nach meinem Abschluss. Das war vor eineinhalb Jahren. Ich bin dann gleich nach New York.

Der Standard: Du bist dann richtig durchgestartet. Was waren deine größten Aufträge?

Strubegger: Das Cover für die französische Vogue war mein bisher größter Erfolg. Mit dem Fotografen Steven Meisel habe ich für die italienische Vogue gearbeitet, mit David Sims für die französische. Und ich war in einigen größeren Kampagnen, unter anderem in jener von Balenciaga.

Der Standard: Du bist als Typ sehr markant, hast ausgeprägte Wangenknochen. Ist dein Typ momentan besonders gefragt?

Strubegger: Wahrscheinlich ist das so. Ich bin bereits 24. Das ist für ein Model schon ziemlich alt, es gibt viele Mädchen, die erst 15 oder 16 sind. Vielleicht sucht man derzeit verstärkt nach Models mit Charakter.

Der Standard: Siehst du dir im Fernsehen die Model-Sendungen an?

Strubegger: Nein, das halt ich nicht aus. Das ist ein einziges Kasperltheater. Die Version hier in den USA ist noch schlimmer als Germany's Next Topmodel.

Der Standard: Trifft das Bild, das diese Sendungen vom Modeln zeichnen, zu?

Strubegger: Es ist absolut überzeichnet. Modeshootings, wie sie in diesen Sendungen gezeigt werden, gibt es kaum. Ich habe im Winter noch nie ein Bikini-Shooting gehabt.

Der Standard: Wie glamourös ist das Model-Leben?

Strubegger: Nicht besonders. Der Beruf ist schwierig. Man ist meist allein in fremden Städten unterwegs, arbeitet fast jeden Tag mit fremden Leuten. Oft weiß man nicht, wo man morgen sein wird.

Der Standard: Wie stark ist der Druck, mager zu sein?

Strubegger: Der Druck ist sehr, sehr hoch. Hier in New York ist die Konkurrenz wahnsinnig stark. Die Agenturen bläuen einem ein, dass man dünn sein muss, ansonsten kriegt jene den Job, die eine bessere Figur hat. Gegen dieses Brainwashing kann man sich nicht wirklich wehren.

Der Standard: Hast du Probleme mit deiner Figur?

Strubegger: Ich bin nicht die Dünnste, vor allem nicht im Vergleich zu einer 15-Jährigen. Je mehr man Kurven hat, umso schwieriger wird es. Noch arbeite ich aber Gott sei Dank gut.

Der Standard: Wie lange, denkst du, kannst du diesen Beruf ausüben?

Strubegger: Ich hoffe noch eine Zeitlang. Wenn nicht, komme ich zurück nach Österreich und suche mir einen richtigen Job. Zum Glück habe ich ein abgeschlossenes Studium.

Der Standard: Wie viel verdienst du?

Strubegger: Heute verdient man nicht mehr so viel wie in den Neunzigern, als Topmodels wie Claudia Schiffer oder Naomi Campbell irre Gagen bezogen. Ich verdiene gut, ein Vermögen aber leider nicht. Bei den Magazinen kriegt man meist überhaupt kein Geld. Oft muss man sich den Flug sogar selbst bezahlen.

1,87 Meter groß, blasses, markantes Gesicht: Im vergangenen Jahr war der Kärntner Gerhard Freidl unter den Top 50 der Model-Weltrangliste gereiht (Platz 46). Spätestens wenn die neue Gucci-Kampagne auf den Markt kommt, wird er sich dort wiederfinden. Andere Kampagnen: Benetton, D&G, Costume National. Freidl kommt gerade aus New York, wir treffen ihn in Wien.

Der Standard: Wie nimmst du das Modegeschäft wahr?

Gerhard Freidl: Es funktioniert wie jedes andere Entertainment-Geschäft. Es muss eine Fassade verkauft werden. Dahinter stecken harte wirtschaftliche Interessen. Die Fassade, die verkauft wird, muss einfach gestrickt sein. Das Zielpublikum ist die Masse. Wenn die Fassade schopenhauerische Komplexität aufweisen würde, verstünde das keiner.

Der Standard: Was ist die Rolle der Models in dem Geschäft?

Freidl: Sie sind die Zahnräder. Sie halten das Getriebe zusammen. Nach außen hin dominiert das Bild der partymachenden Models, nach innen läuft das aber ganz anders.

Der Standard: Inwiefern?

Freidl: Es ist ein Irrglaube, dass man charakterlich nichts zu bieten haben muss. Ohne Persönlichkeit und Charisma läuft nichts. Der Kunde muss einen ja mögen. Man kann auf einem Bild schwer etwas darstellen, was man nicht ist. Es ist eine bösartige Unterstellung, Models als Kleiderständer zu beschreiben.

Der Standard: Es gibt viele Klischees über Models. Stichworte: Drogen, Partys, Essstörungen. Stimmen sie?

Freidl: Davon entspricht wenig der Realität. Man muss psychisch sehr belastbar sein. Man sitzt sehr viel im Flugzeug und muss auch bei größter Müdigkeit noch funktionieren. Ich trinke und rauche nichts und gehe kaum weg, ansonsten würde ich das nicht schaffen.

Der Standard: Wie dachtest du über das Modegeschäft, bevor du anfingst zu modeln?

Freidl: Ich war sehr skeptisch. Ich habe in Wien Politikwissenschaften studiert, das bedingt eine gewisse Hochnäsigkeit. Man denkt, Models wären dumm, die Menschen in diesem Geschäft oberflächlich. Ich wurde bald eines Besseren belehrt. In der Mode steckt sehr viel Talent, manche Dinge sind von hoher Kunstfertigkeit.

Der Standard: Es gibt ganz unterschiedlich Männertypen, die derzeit gefragt sind. Welcher Typ bist du?

Freidl: Wenn man nur in eine Kategorie hineinpasst, wird man nicht viel arbeiten können. Es ist wichtig, dass man fächerübergreifend für verschiedene Marken arbeiten kann, dass man unterschiedlich verkauft werden kann.

Der Standard: Wie wirst du verkauft?

Freidl: Sehr vielfältig. Es gibt aber den Hang, aus mir einen David-Bowie-Typen zu machen – oder eine Art Ralph Fiennes.

Der Standard: Welcher Typ ist im Allgemeinen derzeit gefragt?

Freidl: Bei Frauen ist das einfacher zu bestimmen. Sie müssen gewisse Maße haben. Bei Männern ist das nicht so stark festgelegt, vom durchtrainierten Italo-Typen über den englischen Gentleman bis zum pubertierenden Knaben ist alles auf dem Laufsteg zu sehen. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass das Schönheitsideal bei Männern breiter gestreut ist.

Der Standard: Das Modegeschäft ist sehr international. Inwieweit gibt es nationale Besonderheiten?

Freidl: Die Arbeitsweise ist überall sehr ähnlich. Bezüglich Modeltypen aber gibt es Unterschiede: In New York werden College-Typen weitaus häufiger gebucht als in Mailand oder Paris. Beachboys dagegen wird man in Paris kaum finden. Hier ist man stärker auf die Mode bezogen als auf körperliche Merkmale.

Der Standard: Ist es als Model ein Handycap, in Wien zu wohnen?

Freidl: Es schadet nicht, wenn man in Paris oder New York lebt. Ich lebe gerne in Wien, würde aber auch irgendwo anders hinziehen. Geplant ist derzeit nichts.(Der Standard/rondo/24/04/2009)