Ausg'steckt auf Gut Oggau: Der schöne Hof wurde mit schönen alten Bänken und Tischen bestückt, zu essen gibt es Blunze & Co.

Foto: Gerhard Wasserbauer
Foto: Gerhard Wasserbauer

Irgendwie muss sich das ohrwurmige Plätschern von Downtempo-Loungemusik im Stil der 1990er (Costes, Café del Mar, Buddha Bar ...) auch über erhebliche Distanz orten lassen - zumindest von einer bestimmten Spezies Mensch. Anders ist die alarmierende Dichte an stramm aufgestellten Polokrägen, blickdichten Sonnenbrillen und frisch gebügelten Designerjeans kaum zu erklären, die im neueröffneten Buschenschank der Familie Tscheppe-Eselböck zu besichtigen ist. Dabei ließe es sich im hübschen Hof des Weinguts, der mittels prächtiger alter Tische und Bänke, bunter Kissen, hölzerner Elefantenfiguren, echter Schafe und nämlicher Hintergrundmusik ein bisschen auf Ibiza (oder doch Thailand?) getunt wurde, auch ohne Styling-Sünden schön sein.

Klar zählt die Verpackung hier noch mehr als anderswo. Das kann man auch an den preisgekrönten Weinetiketten erkennen: keine allzu nüchternen Infos wie Sorten- oder Lagennamen, sondern Porträts fiktiver Persönlichkeiten, die den Inhalt charakterisieren sollen. Sehr originell, vielleicht ein klein bisschen gewollt.

Das Essen ist, gemäß Buschenschank-Ordnung, ausschließlich kalt: Aufschnitt, Presswurst mit Zwiebel, Blunze, Paprikaspeck. Diese betont traditionellen Buffet-Bewohner werden auf Oggau aber serviert. Feuerfleck, eine Art Flammkuchen mit ordentlich Zwiebel und Speck, darf den Tisch lauwarm erreichen.

Die kalten Köstlichkeiten sind aber fast noch besser - nicht umsonst hat sich Stephanie Tscheppe-Eselböck lange um die dem elterlichen Taubenkobel angeschlossene Greißlerei gekümmert. Speziell bei Bauernpolnischer oder Orangensenf (gibt's zum Wildschweinwürstel) wüsste man gern mehr über die Produzenten - derlei fällt aber unters Betriebsgeheimnis. Weil: "Sonst haben es bald alle anderen auch". Bleibt zu hoffen, dass die gar so Schönen demnächst weiterziehen. Vielleicht hilft ja: Musikstopp. (Severin Corti/Der Standard/rondo/08/05/2009)