Ich bin bereit, sagen solche Unterarme, nur ein Wort, eine Geste, und ich packe es an.

Foto: Der Standard

+++Pro
Von Sigi Lützow

In Zeiten wie den gegenwärtigen kann es grundsätzlich nicht schaden, eindeutige, aber unaufdringliche Signale der Willfährigkeit auszusenden sowie jeden Anschein von Renitenz zu vermeiden. Was wäre da besser geeignet als ein Paar nicht zu brauner, aber doch gesund aussehender, hinreichend muskulöser Unterarme? Am besten leicht beflaumt mit hellem Haar, das zärtliche Erinnerungen generiert im Ganglienhaufen des Entscheidungsträgers, der Entscheidungsträgerin.

Zwei solch prachtvolle Unterarme kann man nicht entbehren, zumal wenn die Hemdsärmel exakt aufgekrempelt sind. Nach innen, wie es beim Bundesheer gelehrt wurde, oder nach außen. Ich bin bereit, sagen solche Unterarme, nur ein Wort, eine Geste, und ich packe es an. Mögen andere ihre Ärmel schonen.

Verfängt das aber nicht, wird dennoch gestanzt, kann man gleich ganz unangenehm werden, die Unterarme sind ja schon frei. Flugs dann noch den Stoff ein wenig höher schieben bis über die männlich starken Oberarme, und alle Räder stehen still.

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Contra---
Von Karl Fluch

Sich die Ärmel aufzukrempeln ist ja nicht prinzipiell unsympathisch. Es verdeutlicht nicht nur Umsicht gegenüber dem eigenen Oberkleid, sondern evoziert auch pragmatische Qualitäten. Das wusste auch Barack Obama, der sich in seinem Wahlkampf - so es die Etikette erlaubte - gern hemdsärmelig gab.

Ein bisserl gebacken kommen aufgekrempelte Ärmel immer dann daher, wenn sich irgendwelche Modefuzzis einfallen haben lassen, dass das jetzt der letzte Schrei sei. Und dann hörige höhere Töchter und Söhnchen, die keine Ahnung haben, wie man Worte wie "Schaufel", "Reifenwechsel" oder "Bierstemmen" buchstabiert, plötzlich ur casual daherkommen. Die Sympathiewerte für aufgerollte Ärmeln wurden auch von der Werbung für eine Bank nicht erhöht, die zuerst ein paar hundert Millionen in den karibischen Sand setzt und sich dann plötzlich darauf besinnt, dass sie ja eigentlich Dienstleister ist - und es nun plötzlich anpacken will, unser hart verdientes Geld. Dann noch lieber einen Buchhalter mit den Ärmelschonern. (Der Standard/rondo/08/04/2009)