Ein Tennisclub, in dem Fisch von außergewöhnlicher Qualität serviert wird - das gibt es jetzt in Hütteldorf.

Foto: Gerhard Wasserbau

Nichtmitglieder willkommen!

Foto: Gerhard Wasserbau

Auf den ersten Blick ist der Colony-Club in Wien-Hütteldorf bloß ein großer Tennisclub - dem dicken Parkplatz nach zu schließen, einer für die eher gut gepolsterte Kundschaft. Wer sich weiter vorwagt (was hier durchaus erwünscht ist), entdeckt aber ein mondänes Vereinshaus, an dem in der Folge nicht bloß die architektonische Qualität auffällt.

Da wäre zum Beispiel der Oberkellner der Kantine, ein Mann mit besten Umgangsformen, der so gar nicht wie ein klassischer Vertreter des grantigen Gewerbes anmutet - und sich als Miteigentümer des Clubs herausstellt. Ernst Scholdan ist eigentlich Topmanager und Immobilienentwickler, die Idee zum Kellnerieren im eigenen Club kam ihm, weil er im Zuge der Wirtschaftskrise "genug von schlaflosen Nächten" hatte. Dafür sorgt nun schiere körperliche Beanspruchung. Aber Scholdan hat sichtlich Spaß daran, den baffen Mitgliedern plötzlich richtig hochklassige Küche und Weine an einem Ort zu bieten, wo sie derlei mit Sicherheit nicht erwarten.

Sardinenfilets mit Bärlauch

Clubsandwich und Fritteusenschnitzel (bislang die stärksten Umsatzbringer) flogen gleich einmal aus der Karte, stattdessen setzt Scholdan mit seinem Küchenteam (Peter Mark und Danijel Duspara) auf Wildfisch - und zwar in einer Qualität und zu einem Preis, von der sich die einschlägigen Restaurants der Stadt gleich einmal etwas abschauen dürfen. Duspara, der schon im Langusta für hinreißende Meeresküche mit französischem Einschlag stand, füllt etwa Sardinenfilets mit Bärlauch (grandios!), bettet eine Schnitte vom Wildfang-Steinbutt auf zart gebuttertes Püree aus den ersten Frühlingszuckererbsen, bedient Sportler aber auch mit den nötigen Kohlehydraten - in Form von Spaghetti Vongole wohlgemerkt.

Auf der Standardkarte gibt es neben Suppen und Eintöpfen aus der Suppito-Küche von Scholdans Frau Andrea auch Wirtshausklassiker wie Kalbsgulyás, Backhendl oder ziemlich epochale Schinkenfleckerln. Wenn der Oberkellner aber erst einmal bei Tisch angedampft ist, um anzupreisen, was für Fisch er gerade frisch aus dem Kroaten-Kühllaster angelandet hat, wollen die Wenigsten etwas anderes bestellen: Der Mann gilt nicht zufällig als PR-Genie. (Severin Corti/Der Standard/rondo/22/05/2009)