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Umsatzbringer sind die begehrten Bottega-Taschen, ein absolutes Statussymbol. Sie erkennt man am geflochtenen Leder.

Foto: AP

Marketing ist ihm ein Gräuel, Logos auch und "It-Bags" sowieso. Trotzdem - oder gerade deshalb - hat es der Pforzheimer Tomas Maier (Jahrgang 1957) geschafft, dass seine Taschen zu den begehrtesten der Welt gehören. Seit er 2001 bei der - damals ziemlich in Vergessenheit geratenen - Firma Bottega Veneta als Chefdesigner begann, haben sich deren Umsätze vervielfacht.

Was die Taschen von Bottega Veneta einzigartig macht, ist die außergewöhnliche Qualität des Leders und die hervorragende Handwerkskunst. Noch bei den Produzenten des Leders wird dieses durch acht hauseigene Maschinen überprüft, die Faktoren wie Elastizität, Sonnen-, Regen- und Lichtresistenz testen, wodurch schon vor Ort Qualität und Strapazierfähigkeit des Leders gewährleistet sind.

Die ursprüngliche Idee, die 1966 zur Gründung von Bottega Veneta geführt hat, war jene, Leder nach dem Vorbild von gewebten Stoffen zu flechten: Die Bezeichnung dieses Vorgangs, "intrecciato", ist mittlerweile das Markenzeichen des Unternehmens geworden.

Fingerfertigkeit der Kunsthandwerker

Dass kunstfertige Handarbeit nicht nur ein Schlagwort ist, erkennt man daran, dass die Taschen zu 85 Prozent handgemacht sind: Durch die Verwendung von verschiedenen Nadeln, Spezialklebstoffen und diversem Feinwerkzeug ist die Fingerfertigkeit der Kunsthandwerker gefragt. Obwohl sich das weiche Leder leicht verarbeiten lässt, benötigen zwei Kunsthandwerker zwei ganze Tage, um etwa die gefragte Tasche "Cabat" fertigzustellen. Es werden Kalb-, Lamm-, Hirsch- und Straußenleder, aber auch Kroko- und Pythonleder verarbeitet. Die Pythontasche beispielsweise wirkt durch ihre 40 Teile, die mit eigens entwickelten Methoden verarbeitet werden, wie ein architektonisches Kunstwerk. Das handwerkliche Wissen wird mittlerweile auch an Schüler weitergegeben.

2006 hat Maier eine Schule gegründet, um das vom Aussterben bedrohte Kunsthandwerk wieder großzumachen. Nun zählt "la scuola della pelletteria Bottega Veneta" bereits 15 Lehrlinge, die nach der Ausbildung ihre Fähigkeiten zur Herstellung von Taschenkunstwerken bei Bottega Veneta unter Beweis stellen können. So bleibt das Handwerk im Atelier und geht nicht verloren.

Maier selbst hat das Designer-Handwerk an der Pariser Chambre Syndicale de la Haute Couture erlernt und für zahlreiche Häuser - darunter auch Hermès - gearbeitet, bevor er von Tom Ford zu der, zur Gucci-Gruppe gehörenden, venezianischen Ledermanufaktur geholt wurde. Heute lebt er mit seinem Lebensgefährten in Miami, wo die beiden schon seit 1997 unter dem Namen "tomas maier" Bademode kreieren. (Der Standard/rondo/08/10/2010)