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Falls wirklich alles krachen geht, hat der Dichterfürst immerhin eine Wiese im Talon, die man zur Not zum Erdäpfelacker umwidmen kann.

Foto: Reuters/BRIAN SNYDER

Wenn man im Rahmen eines runden Geburtstages an einem Tisch sitzt, an dem - in dieser Reihenfolge - über Bluthochdruck, Extremklettern, Motorradfahren und glimpflich verlaufene Gesundenuntersuchungen gesprochen wird, kann man eigentlich froh sein, dass man das frühest mögliche Pensionsantrittsalter eines österreichischen Exekutivbeamten zwar erreicht hat, aber trotzdem noch mitten im Erwerbsleben stehen darf. Zwischen Dürfen und Müssen besteht auf dem freien Markt längst kein Unterschied mehr. Man wird sich also parallel zu Griechenland noch einige Jahre bis zum endgültigen Zusammenbruch weiterhin damit vergnügen, dankbar zu sein, dass man überhaupt noch gebraucht wird. Funky geht anders.

Falls wirklich alles krachen geht, hat der Dichterfürst immerhin eine Wiese im Talon, die man zur Not zum Erdäpfelacker umwidmen kann. Schließlich wird selbst bei Millionärs in der Wiener Innenstadt heutzutage schon jede Dachlandschaft auch dazu genutzt, neben dem regulären Schwimmbetrieb im Hochpool Tomaten für den Eigengebrauch zu ziehen. Und auch den alten Schuppen neben dem Haus könnte der Dichterfürst in der Not wieder mit ein paar Schweinderln und Hühnern statt mit Grillpartygästen füllen, die sich dorthin bei Regenbrüchen flüchten und die Kellerbestände leer räumen. Kein Wunder, dass man angesichts dieser strahlenden Zukunft stets darauf bedacht ist, Sonnenbrillen mit sich zu führen. Solange man körperlich noch dazu in der Lage ist, ein Auto zu manövrieren, braucht man bis zum nächsten Nahversorger ja nur zehn Minuten. (Christian Schachinger, Rondo, DER STANDARD, 24.06.2011)