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Warum in der Bikiniabteilung stets nur zwei Kategorien zur Wahl stehen (scheußlich und scheußlich), bleibt ein Rätsel.

Foto: AP/Joerg Sarbach

+++Pro
Von Karl Fluch

Mir reicht im Freibad ein buffetnaher Sessel unterm Sonnenschirm als Kleidung. Schwimmen ist nämlich für die Fisch, dennoch scheint das eine Minderheitenmeinung zu sein. Na ja. Das plus die Erfindung der Scham - und wir sind bei der Bademode. Diese gibt die Gesetze der Tierpsychologie wieder, insbesondere das männliche Imponiergehabe schlägt sich bis heute in hautengen Zumpferlställen nieder, nach deren Ansicht man als normaler Mensch nie wieder herzhaft in eine Knacker beißen kann und will. Ähnliches gilt für Damenbikinis. Diese textile Gratwanderung zwischen Obszönität und Zensurbalken wird am besten mit der Stimme der Vernunft angeschafft, also unter Beisein des Mannes. So können Schaden und Irrtum abgewendet werden. Denn das Angebot reicht von "Arsch frisst Hose" über "Wo ist das Teil?" bis zu "Hose frisst Arsch bis zum Hals".

Atmosphärisch bedeuten klare Worte beim Bikinikauf zwar eine Zwischeneiszeit, aber spätestens wenn mann die Miniaturen mit Schnürln bezahlt, taut es wieder.

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Kontra---
Von Martina Stemmer

Im Prinzip ist es ja wurscht, wie die Stoffteile aussehen, in denen man ins Wasser geht. Hauptsache, sie befinden sich nach der Arschbombe noch dort, wo sie hingehören - oder zumindest in greifbarer Nähe. Warum in der Bikiniabteilung stets nur zwei Kategorien zur Wahl stehen (scheußlich und scheußlich), bleibt trotzdem ein Rätsel. Aber da müssen wir Frauen eben durch. Und zwar allein. Denn die halblustigen Lebensweisheiten von der Einteiler-Fraktion bringen uns da nicht weiter, vielen Dank auch. Wir haben uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern. Ob es zur halbwegs vernünftig geschnittenen Hose möglicherweise auch ein brauchbares Oberteil gibt zum Beispiel. Und müssen die schwierige Frage klären, ob wir diese Farbe wirklich einen ganzen Sommer lang ertragen können. Männer stehen uns dabei bestenfalls im Weg, schlimmstenfalls geben sie als gute Ratschläge getarnte Frechheiten von sich. Und nein, nur weil ihr am Ende für die neue Schwimm-Montur bezahlt, ist längst noch nicht alles wieder gut. (Der Standard/rondo/24/06/2011)