Foto: M. Corti

Das wunderschöne Restaurant des Architekturzentrums im Wiener Museumsquartier wird wieder bespielt - zu dezidiert günstigen Preisen.

Foto: M. Corti

Im Gegensatz zu den vielen anderen Lokalen im Wiener Museumsquartier herrscht im neuen Corbaci beim Architekturforum ein angenehm altmodischer Umgangston. Als Gast wird man von gestandenen Obern gesetzten Alters (und in voller Montur) begrüßt und zum Tisch geleitet. Was noch mehr auffällt, ist die besondere Liebenswürdigkeit, mit der diese ansonsten urwienerischen Kellner agieren: Hallo, geht's noch?

Irgendwas muss Attila Corbaci, einst Mitbegründer des Café Engländer wie auch des Oswald & Kalb, vor Jahrzehnten Kellner im Berliner "Exil" und seit drei Wochen mit dem Journalisten Thomas Voburka (Süddeutsche, Taz, Brand 1) Betreiber des einstigen Una, also ganz richtig machen bei Auswahl und Motivation seiner Crew.

"à la Jamie Oliver"

Das ist schon an sich eine Wohltat, schließlich hatte es unter den vorigen Betreibern des prächtig orientalisierenden, einst von den Architekten Lacaton/Vassal geplanten Lokals just daran gemangelt. In der Küche, so Corbaci, ist eine "via AMS zusammengewürfelte Truppe" zugange, von der er sich erhofft, "à la Jamie Oliver" ein verschworenes Team schmieden zu können. Dazu gehört etwa, dass sämtliches Sauergemüse, von Essig- und Salzgurken über rote Rüben und eingelegten Bierradi bis zum Zellersalat, selbst fabriziert werden. Da ist die Qualität jetzt schon mehr als beachtlich.

Bei den Speisen hingegen gibt es noch Raum für Verbesserungen - wenngleich das Preisniveau (kaum ein Hauptgericht über zehn Euro) naturgemäß keine allzu großen Sprünge erlaubt. Linsensuppe "Corbaci" (lässt sich aus dem Türkischen mit Suppenkoch übersetzen) ist jedenfalls famos, ein dicker, gemüsiger Pott voll würzigen Eintopfs mit einem Klacks Sauerrahm (oder war's türkisches Joghurt?) obendrauf. "Schweinsbraten im Frühroten Veltliner" ist herrlich saftig und knusprig, der erwähnte Bierradi macht sich ganz wunderbar dazu, einzig der Brezn-knödel dazu gereicht (wie meist) nur wahrhaft Unerschrockenen als Sättigungsbeilage.

Dose Nuri-Sardinen mit Butterbrot

Schweinsleber-Kas klingt weitaus schrecklicher, als er ist - nämlich gar kein Leberkäse, sondern eine durchaus schmackhafte Leberterrine, die mit allerhand Salat und einer an Ajvar gemahnenden Paprikamarmelade garniert wird. Noch nicht ganz ausgereift erscheinen hingegen die diversen, üppig belegten, aber dennoch irgendwie trockenen, riesenhaften Wachauer Laberl. Viel, viel besser: die entzückend angerichtete Dose Nuri-Sardinen mit Butterbrot (siehe Bild)! Die Weinkarte ist klein, aber klug zusammengestellt und, wie das Essen, sehr freundlich kalkuliert. (Severin Corti/Der Standard/rondo/05/08/2011)