"Please Sir, sorry Sir, take photograph?" Nein! Bitte nicht schon wieder!

Foto: Der Standard

+++Pro
Von David Krutzler

Zugegeben: Die Arbeit, fotografierwütige Touristen abzulichten, ist mit den Digitalkameras eine härtere geworden. Ob man denn nicht noch einmal abdrücken könnte, wird man in der weltweit überlegen führenden Sprache "Bad English" gefragt. Das Display lügt nicht: Die Kirchturmspitze im Hintergrund der beiden, kann man irgendwie heraushören, war nicht ganz im Bilde.

Beim zweiten Klick, "sorry", liegt eine Haarsträhne im Gesicht der Holden. Bei ihrem Macker ist's dann die linke zu hoch gezogene Augenbraue. Und beim vierten Versuch passt die Relation des Pärchens zum mondänen Barock des Schlosses in der Unschärfe nicht.

Aber egal, ich lege mich ja gerne ins Zeug und also hin auf den dreckigen Asphalt, um untertänigst DAS Bild zu schießen. Dort unten denke ich dann freudig zurück an meinen Aufenthalt in Schanghai. Auch da wurde ich als sightsehender Tourist von schüchternen Chinesen mit ihren Kameras in der Hand angetippt. Mit dem Unterschied, dass ich mit aufs Foto sollte. Highscore: 13 Mädels und ich!

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Kontra---
Von Gianluca Wallisch

"Please Sir, sorry Sir, take photograph?" Nein! Bitte nicht schon wieder! - denke ich mir, setze mein Goldenes-Wienerherz-mit-Migrationshintergrund-Lächeln auf und sage: "Yes, sure."

Nervig. Nicht die Glückseligkeit der Wien-Besucher, auch ich bin prinzipiell happy in Buenos Aires oder Kairo. Nervig, weil alle Reisefotos weltweit absolut gleich aussehen: Antiker, barocker, postmoderner Hintergrund, verstellt von statisch lächelnden Menschen im uniformen Touristen-Outfit. Überbelichtet, trotz Automatikmodus. Ein Finger im Lonely Planet eingeklemmt, damit man in sieben Sekunden nicht neu suchen muss, wenn's weitergeht.

Sich vor Monumenten fotografieren zu lassen ist so yesterday! Als ob es zu Hause eines Beweises bedürfe, dass man am Stephansplatz war, wo schon Amadeus zu flanieren pflegte!

Liebe Reisende, ich werde euren Fotoblog auf Flickr oder Tumblr erst abonnieren, wenn ihr beginnt, bessere Fotos zu machen. Solche mit Originalität, Perspektive, Tiefenschärfe - und keine Ich-war-da-Beweismittel! (Der Standard/rondo/26/08/2011)