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"Ohne Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen."

Foto: Archiv

Es gibt einen Satz von Salvador Dalí, über den lohnt es sich nachzudenken. "Ohne Schnurrbart ist ein Mann nicht richtig angezogen", sagte der Maler einmal und zwirbelte sich dann wahrscheinlich seine Barthaare lang. Auf sie war Dalí mindestens genauso stolz wie auf seine schlappen Ziffernblätter. Wobei man sagen muss, dass Haare und Blätter eigentlich recht wenig miteinander zu tun haben: Während sich Dalís Haare stolz in die Höhe reckten, hingen seine Uhren immer mutlos nach unten.

On the long run, muss man aber sagen, hat sich die Schlappheit der Uhren ausgezahlt: In den Praxen von Psychotherapeutinnen und Handarbeitslehrern erfreuen sie sich bis heute größter Beliebtheit. Von Dalís Zwirbelbart kann man das nicht behaupten. Womit wir beim Thema der heutigen Kolumne wären: dem traurigen Schicksal des einstmals mit so viel Stolz getragenen Schnauzbarts.

Pornobalken

Er ist beinahe ausgestorben. Selbst in der Pornografie, wo außer Socken bekanntlich recht wenig getragen wird und der Pornobalken eine Möglichkeit darstellt, zumindest auf der Oberlippe ein wenig Anstand zu wahren, fristen Gesichtshaare mittlerweile ein trauriges Dasein.

Ein Wunder, dass viele Zuschauer ob all der kahlrasierten Stellen nicht ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Ziffernblätter bei Dalí - und ihre Zeiger hängen lassen. Wobei: Vielleicht wäre ja ein konzertierter Streik der Weichteile ein probates Mittel, um ein Umdenken beim Thema Schnauzbart herbeizuführen. Bei Dalís Uhren hat das auch funktioniert: Erst ihre Schlappheit hat sie unsterblich gemacht. Wäre doch gelacht, wenn dadurch nicht auch die Zahl der Schnurrbärte wieder in die Höhe schießen würde. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/09/09/2011)