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Karikatur: Kilian K.
Mit Sprüchen wie "Wir sind spezialisiert auf die gehobene Mittelschicht" fliegt man schnell aus dem Studentenkontotest des UNISTANDARD. Deshalb haben Banken wie die Hypo Tirol oder die Schoellerbank hier nicht mehr Platz verdient. Neben Eröffnungsgeschenken und Extras wie Bankomatkarten sind Freundlichkeit und Kompetenz der Beratung Schwerpunkte der Beurteilung. Auch Sollzinsen (S), Habenzinsen (H), Überziehungsrahmen (Ü) und versteckte Kosten (VK) gelten als Testkriterien der Filialen in der Wiener Innenstadt. Raiffeisen:

"Hallo, ich bin der Stefan!", lockt ein akkurat gekleideter Mitarbeiter zum Informationsgespräch. Die gekünstelte Verwendung von jugendlichen Ausdrücken aus einem Alter, dem der Berater längst entwachsen sein sollte, nervt. Fehlende Infos am Folder sowie die Gebührenpflicht bei bundesweiten Transaktionen können die speziellen Jugendangebote, wie verbilligte Konzertkarten für Klubmitglieder, nicht wettmachen.
S: 8,5 / H: 0,5 / Ü: individuell;
Note: 3





Erste Bank:

Fair gesagt: Wir sind abends die letzten Kunden - nach Dienstschluss. Das ist vielleicht der Grund, weshalb der Schönling etwas kurz angebunden ist: "Haben: eins, Soll: neun Prozent - sonst ist alles gratis. Wollen S' noch was wissen?" Ja, wir wollen und bekommen ausführliche Computerausdrucke. Fazit: Wenngleich uns der Berater kaum als Kunden umworben hat, bietet die Erste teils gute Konditionen. Ermäßigungen für Weiterbildungsseminare, inkludiertes Sparkonto und eine gewöhnungsbedürftige Veranstaltungs-Homepage.
S: 9,5 / H: 1 / Ü: individuell;

Note: 2




BAWAG:

Weniger schön, dafür freundlich ist der Berater der Bawag. Fehlendes Wissen kompensiert er gekonnt mit einem abgegriffenen Folder, der mäßige Konditionen zeigt. Auffallend ist der Überziehungsrahmen, der je nach Studienabschnitt unterschiedlich ist. Kreditkarten vergibt die Bank ungern: "Da sind wir ein bisschen vorsichtiger."
S: 9,5 / H: 1,5 / Ü: 1000-2500 EURO;

Note: 3




P.S.K.:

Die zur Bawag gehörende Postsparkasse unterscheidet sich vom Flair grundlegend von ihrer Partnerbank. Nostalgische Postrequisiten verbunden mit CD-Hits von Nockalm-Quintett, bis hin zu Roy Black versüßen uns die Wartezeit. Der Berater und dessen ungewöhnlich dunklen Fingernagelränder verblüffen die Tester. Trotz ähnlicher Konditionen (S: 9,5 / H: 1,5 / Ü: 1500-2500 EURO) wie die Bawag vergeben wir wegen kultigen Flairs und tadelloser Beratung

Note: 2




Bank Austria Creditanstalt:

Studenten sind in der prachtvollen Zentrale der BA-CA nicht erwünscht. Wir werden an eine kleinere Filiale verwiesen, wo uns ein 16-jähriger Lehrling empfängt. Nach einem Exkurs über die vermeintliche Metropole der Geldwäscherei (Hongkong), ist seine Beratung jedoch authentisch und ehrlich. Zwei Studentenkonten werden geboten. Mit dem teureren Club-Suxess-Konto (16,50 EURO pro Quartal) vermeidet man "Strafzahlungen" bei Überziehungen und genießt Angebote wie Reisebonus-Service. Als Eingangsgeschenk wird ein mobiler Kleiderständer als "kleines, grünes Ding zum Aufhängen" präsentiert.
S: 9,5 / H: 0,5 / Ü: bis zu 4000 EURO;

Note: 3+




Hypo Niederösterreich:

Kompetente Beratung gepaart mit studentenfreundlichen Konditionen überzeugen. Drei Geschenke pro Jahr sowie die regelmäßige Bezahlung des ÖH-Beitrags sind weitere Pluspunkte für Studenten aus Wien und Niederösterreich. Hierfür gibt es von uns die Bestnote.
S: 8 / H: 2 / Ü: einkommensabhängig;

Note: 1




BKS (Bank für Kärnten und Steiermark):

"Ein was?" - verstört blickt die Angestellte der BKS auf die Tester. "Ein Eröffnungsgeschenk", wiederholen wir unsere Forderung. "Da muss ich schauen, ob vom Weltspartag noch was über ist." Vergebens suchen wir nach Studentenkonditionen, werden aber bei Extrakosten wie für Internetbanking und Kontotransaktionen fündig. Widersprüchliche Unterlagen verwirren die Tester. Nach einigen Telefonaten wird die angegebene Gebührenpflicht relativiert.
S: 8,875 / H: 0,375 / Ü: "mag mein Chef nicht", grundsätzlich individuell, VK: gewisse Buchungen 0,70 EURO;

Note: 5




Oberbank:

Unsere Frage nach dem Eröffnungsgeschenk zum Studentenkonto wird ohne Umschweife beantwortet: "Das Konto selbst ist das Geschenk", mit dem die Bank derzeit um Kunden wirbt. Leider ist es aber ohnehin kostenpflichtig und geht im Juli in ein noch teureres Konto über.
S: 9,75 / H: 1,5 / Ü: einkommensabhängig, VK: für Transaktionen am Schalter;

Note: 5




Volksbank:

Die Beraterin offeriert leider nur wenig empfehlenswerte Konditionen. Gebührenpflichtige Transaktionen wie Überweisungen, Buchungszeilen, Barauszahlungen am Schalter, Daueraufträge sowie andere Dienstleistungen versetzen uns in Staunen. Auch um Eingangsgeschenke und Studentenextras betteln wir vergebens. S: 7,25 / H: 1,5 / Ü: individuell;
Note: 5
(DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2004)