"Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele", brachte Pablo Picasso die Wirkung von Musik auf den Punkt. In dem Buch "Kunst - Medizin - Therapie" zeigt Herausgeber Erich Vanecek, dass es sich lohnt, sie in der Therapie als "Psychohygienikum" einzusetzen. In dem Band gesammelter Vorträge wird neben Aspekten der Maltherapie oder des Gesangs erläutert, wie Ärzte durch die Kunst ihre Behandlungsqualität erhöhen können.

Vanecek, der am Institut für Psychologie Musikpsychologie lehrt, konzentriert sich in seinem Beitrag auf das Instrumentalspiel. Durch Vorstellungshilfen, so genannten Motokognitionen, können die eigenen Körperzustände sensibler erforscht werden. Gerade weil Kognition und Ratio für das musikalische Erleben oftmals als unnötig abgetan werden, besteht der Autor darauf, dass nur durch willentliche Denkmuster das wahre Ziel des Musizierens erreicht werden kann: ein "richtiges Instrumentalspiel", das in Folge eine Einheit von Körper und Seele herstellt. Im Idealfall kommt es zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Anforderung und Können - dem Flow-Erlebnis. Die psychologische Konsequenz daraus: ein Musizieren ohne Verspannung, Angst oder Leistungsdruck. Den Rezipienten erwartet nicht etwa eine komplizierte wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein wahres Lesebuch. Durch die feinfühlige Auseinandersetzung mit dem Thema wird klar, dass ein Glückserleben durch künstlerische Gestaltung nicht nur ein psychisches Accessoire ist, sondern eine ganz wesentliche Rückwirkung auf die allgemeine Gesundheit hat.

Erich Vanecek,
Christa Wenninger-Brenn (Hg.):
"Kunst - Medizin - Therapie"
Erschienen 2003 im WUV-Verlag
(Der UniStandard, Printausgabe, 27.2.2004)