Perugia - Der umbrische Maler Perugino (1444-1523) gilt als einer der Hauptmeister der italienischen Frührenaissance. Er hat in vielen Städten Italiens, wie etwa Rom oder Florenz, seine Spuren hinterlassen. Vor allem aber wirkte er in Perugia, wo er 1501 seine eigene Schule eröffnete und bis zu seinem Tod ansässig war. Jetzt widmet die Region Umbrien ihrem großen Sohn unter dem Titel "Perugino - Der göttliche Maler" eine bedeutende Ausstellungsreihe. Sie vereint seine berühmtesten Gemälde aus aller Welt in mehreren umbrischen Städten, wie Perugia, Citta della Pieve oder Corciano. "Nach zehn Jahre harter Arbeit können wir hier erstmalig Peruginos Lebenswerk vorstellen", sagte der Leiter der Ausstellung Francesco Mancini der dpa.

Perugino, mit bürgerlichem Namen Pietro di Cristoforo Vanucci, lernte sein Handwerk bei dem florentinischen Maler Andrea del Verrocchio und wurde rasch zum bedeutendsten Maler seiner Zeit. Von 1481 bis 1483 malte er zusammen mit anderen großen Künstlern wie Botticelli an den Fresken der Sixtinischen Kapelle. Ein Auftrag, durch den er zu einem der ganz großen Meister seiner Zeit avancierte. Unter anderem war er Lehrer von Raffael und schon Raffaels Vater Giovanni Santi bezeugte den frühen Ruhm Peruginos, als er ihm den Spitznamen "Der Göttliche" gab.

Seine Kunst verbindet florentinische Monumentalität und die Anmut der umbrischen Schule. Seine Bilder sind klar und einfach komponiert, von ausnehmend stiller Schönheit und raffinierter Transparenz. Der Meister schuf zahlreiche Altar- und Andachtsbilder, wie auch eine Reihe bedeutender Porträts. Berühmt wurden vor allem seine zarten, melancholischen Madonnen. Sein innovativer Malstil wurde schon zu Lebzeiten maßgebend für seine Zeitgenossen: "Es kamen Maler aus Frankreich, Spanien und Deutschland, um bei Perugino zu lernen", schrieb Giorgio Vasari 1550 in seiner großen Künstlerbiographie.

In insgesamt sechs Ausstellungen sind erstmalig die berühmtesten Werke Peruginos aus internationalen Museen und Privatsammlungen vereint. Meisterwerke wie die "Maria Magdalena" oder die "Madonna del Sacco" repräsentieren in ihrer reinen, kristallinen Art den einmaligen Stil des umbrischen Meisters. Zahlreiche Werke von anderen zeitgenössischen italienischen Malern runden den künstlerischen Spaziergang durch die italienische Renaissance ab.

Die größte Schau der eröffneten Ausstellungsreihe findet in der Umbrischen Nationalgalerie in Perugia (bis 18. Juli) statt. Eine Besonderheit ist hier ein innovatives System zum Schutz der kostbaren Bilder und Fresken: Spezielle Filter sollen die schädlichen Mikroorganismen in der Luft abfangen, die durch die zahlreichen Besucher extrem vermehrt werden. Außerhalb der Ausstellungen kann der Besucher an einer "Sentimentalen Reise durch Umbrien" teilnehmen. Experten führen durch die bedeutendsten Kirchen der Region, die weitere Meisterwerke Peruginos beherbergen. (Marga Sanchez/dpa)