New York/Wien - Die Spende einer Eizelle kann zu komplexen Sorgerechtsstreitigkeiten führen, wie ein aktueller Fall aus den USA zeigt. In Österreich ist klarer geregelt, was passiert, wenn ein Kind zwei Mütter hat.

Der Fall in den USA dreht sich um ein lesbisches Paar aus Kalifornien. Eine der Frauen spendete eine Eizelle, die mit Samen aus einer Samenbank befruchtet wurde. Ihre Partnerin trug die auf diese Art entstandenen Zwillinge aus. Fünf Jahre nach der Geburt trennte sich das Paar, berichtete die New York Times am Mittwoch. Die Frau, die die Kinder ausgetragen hat, zog in den Bundesstaat Massachusetts, die genetische Mutter verlangte ein gemeinsames Sorgerecht.

Was ihr von einem kalifornischen Richter verweigert wurde. Seine Begründung fußt auf einer Verzichtserklärung, die die Eispenderin in der Fruchtbarkeitsklinik unterschrieben hatte. Ihrem Argument, sie habe diesen Verzicht auf Adoptionsrechte für einen obligatorischen Akt gehalten, folgte Richter Randolph Heubach nicht. Rechtsgültig ist der Spruch noch nicht, die genetische Mutter hat Berufung eingelegt.

In Österreich selbst kann dieser Fall nicht eintreten, betont man im heimischen Justizministerium. Denn nach der geltenden Gesetzeslage darf eine befruchtete Eizelle nur der Spenderin selbst eingesetzt werden.

Im Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) ist auch klar geregelt, wer die Mutter ist: Nur jene Frau, die das Kind geboren hat, wie Erwin Bernat, Rechtswissenschafter an der Uni Graz erklärt. "Die lesbische Frau, die die Eizelle austrägt, hätte das alleinige Obsorgerecht." Auch der Samenspender hat übrigens keinerlei Rechte. "Im Paragraf 163 ABGB ist festgeschrieben, dass ein Dritter, dessen Samen für eine medizinisch unterstütze Fortpflanzung verwendet wird, nicht als Vater festgestellt werden kann", weiß Bernat. Die genetischen Eltern sind rechtlich gesehen also völlig Fremde. (DER STANDARD, Printausgabe 25.03.2004)