Sie fühlt sich wohl in ihrer neuen Haut, sprich: in ihrer Arbeitsumgebung in einem großzügigen Appartement in der Wiener Innenstadt und in ihrer Wohnung mit Dachterrasse im dritten Wiener Gemeindebezirk, die aparte Blondine im roten Kleid: Frau Magister Brigitte Hueber bedauert, dass sie sich nicht das Haar extra für den Fotografen noch ein bisschen mehr hergerichtet hat. Sie fühlt sich wohl und sagt: "Jetzt geht es mir gut, ich bin autonom geworden, ich musste autonom werden."

Vorbei sind die Jahre des Kampfes, vorbei der siebenjährige Rosenkrieg mit ihrem Mann, der sie eines schönen Tages mit der Meldung überraschte, dass es nunmehr jemand anderen in seinem Leben gebe.

Siebejähriger Rosenkrieg

Sie, die gelernte medizinisch-technische Assistentin, die nach der Geburt des zweiten Kindes zu Hause blieb und ihrem selbstständig tätigen Ehemann zur Hand ging, sie stand plötzlich praktisch mit nichts da, außer mit inzwischen drei Kindern. "Ich habe am Montag nicht gewusst, was die Kinder am Dienstag essen werden." Sieben Jahre, sagt sie heute, dauerte dieser Rosenkrieg, und sie rät allen Frauen in ähnlicher Lage, sich rechtzeitig abzusichern, und sei es mit einem Ehevertrag.

1994, während des Kampfes mit ihrem Mann, beginnt Hueber mit dem Studium der Psychologie. Und entdeckt in dieser Zeit auch die Astrologie. "Ich wollte beweisen, dass das ein Humbug ist", erinnert sie sich heute und will damals bei einer Seminararbeit sogar einen wissenschaftlichen Beweis für die Richtigkeit dieser Pseudowissenschaft erbracht haben. "Es gibt eine abstrakte Qualität der Zeit", philosophiert die graduierte Psychologin vor sich hin und wartet mit dem Beispiel vom linken Fuß auf, mit dem man manchmal aufsteht und wenn dann gar nichts mehr geht. Für sie war damals, in den Jahres des Rosenkriegs, die unter Freunden und Bekannten praktizierte Astrologie Geldes wert, "nicht ganz legaler Broterwerb", schmunzelt sie heute.

Schwierig

Die Frage, warum sie nicht vor der Ehe ihrem späteren Mann astrologisch zu Leibe gerückt sei, pariert sie mit dem Hinweis, dass sie zwar gewusst habe, es würde mit ihm sehr schwierig, aber nicht so hart, wie es später kam.

Später im Gespräch korrigiert sie sich und sagt, zu dieser Zeit habe sie sich mit der Sternenkunde noch gar nicht beschäftigt gehabt. Wie auch immer, für das 1994 begon- nene Psychologiestudium braucht sie nicht länger als vier Jahre.

Rekordzeit

Während dieser Zeit macht sie eine Trainerausbildung für Psychologie im Arbeitnehmerschutz, 1998 das Propädeutikum und schließt 1999 die dreijährige Ausbildung für Coaching und Supervision beim Bundesverband österreichischer Psychologen ab. Im Jahr 2000 Abschluss der Ausbildung zum Klinischen und Gesundheitspsychologen, im Jahr darauf Gründung ihres "Institutes für Somatische Psychologie (INSOP)".

2001 erlangt sie nach einem Aufenthalt in den USA das Zertifikat für Biofeedback bei Professor Lubar. Damit nicht genug, macht sie auch noch die Ausbildung zum Psychotherapeuten - Richtung katathym imaginative Psychotherapie (ein tiefenpsychologischer Zweig).

Nicht vergessen, aber doch verdrängt hat sie die vielen unbezahlten Praktika-Stunden in den Spitälern und den Stress mit den Kindern, die heute alle erwachsen sind.

Konsolidiert

Seit dem Vorjahr hat sie auch ihr finanzielles Standbein konsolidiert. Es gelang ihr, in einer EU-Initiative Fuß zu fassen, die im Rahmen der Beschäftigungsoffensive der Bundesregierung und des Europäischen Sozialforums geschaffen wurde. Diese Initiative hört auf das schöne und für Österreich nicht unbekannte Kürzel AEIOU und bedeutet hier aber "Arbeitsfähigkeit Erhalten für Individuen, Organisationen und Unternehmen".

In dieser Initiative sind neben dem INSOP der Brigitte Hueber auch noch die AUVA, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, das Forschungsinstitut des Roten Kreuzes, das BBRZ, das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum sowie das IBE, das Institut für Berufs- und Erwachsenenbildung an der Universität Linz, tätig. Deren gemeinsames Ziel ist es, durch ganzheitliche Unterstützung und Beratung Menschen länger im Berufsleben zu halten.

Gute Mischung

Huebers Methode besteht darin, aus einer Mischung von psychologischer Gesprächsführung, Coaching und Biofeedback eine Linderung der psychosomatischen Beschwerden herbeizuführen. Biofeedback ist eine Methode, die über die zeitgleiche Rückmeldung normalerweise nicht bewusster körperlicher Funktionen den Aufbau einer bewussten Kontrolle über diese Funktionen ermöglicht.

Ein Sitzungsblock von zehn bis 15 Einheiten zu je 45 Minuten, verspricht die Psychologin, bringe im Durchschnitt eine deutliche Besserung der Leiden. Für dieses Projekt hat Hueber einen zweijährigen Vertrag mit dem Bundessozialamt, pro Probanden erhält sie 60 Euro, die Daten werden vertraulich behandelt.

Sponsor gesucht

Sie hofft, dass sie einen Sponsor findet, damit auch nach 2005 dieses Projekt weitergeht. Daneben betreut sie in ihrem Institut alle "normalen" Fälle, die an einen Psychologen so herangetragen werden. Etwa einen zum Spitzenmanager aufgestiegenen Mann, der unsicher ist, wie er sich in seiner neuen Position die erforderliche Autorität verschafft. Aber auch Ich-Schwächen, psychosomatische Beschwerden aller Art wie Klaustrophobie oder Schlaflosigkeit bis hin zur Raucherentwöhnung sind bei Hueber in gepflegten Händen.

Als Hobby nennt die Frau, die in ihrer Jugend eine mehr als passable Florettfechterin gewesen ist, an erster Stelle die Astrologie, in der Musik geht ihre Liebe von klassisch bis zu Schnulze, und bevorzugte Gegenden zeigen in Richtung Süden, auch was das Kulinarische anlangt.

"Jetzt habe ich wieder Zeit für mich", sagt die im Sternzeichen des Wassermanns Geborene. Wassermänner seien neugierig, offen, aber auch distanziert und würden oft anders handeln, als man es erwartet. - Ob das nur auf Brigitte Hueber zutrifft? (Fritz Pesata, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.3.2004)