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Foto: Archiv
Natürlich sind Plot, Setting und Konzept pathetisch. Und die Charaktere schrecklich amerikanisch-simpel: die allein erziehende Sanitäterin mit dem Luxusbody-Ex und dem nur knapp überlebten Selbstmordversuch. Der harte Cop, der seine (Kindes-)- Ohnmacht gegenüber dem die Mutter prügelnden Vater aufarbeiten will (der Bruder ist natürlich ein Junkie). Die Polizistin mit Herz, die an der Unmöglichkeit, mit ihrem Freund über Gefühle zu reden, nagt. Und der schwarze Supermann: Wollte Kampfflieger werden, hat aber als Ambulanzfahrer und Sanitäter fast mythische Fähigkeiten.

Menschen, die - trotz und wegen ihrer kleinen Fehler - über sich hinauswachsen. Ständig. Helden von nebenan. Dick - und durchsichtig - aufgetragen.

Aber trotzdem: Jerry Bruckheimers Notruf-Heldenepos "Third Watch", das auf New Yorks Straßen versetzte Follow-up von "Emergency Room", tut gut. Noch. Weil es fein ist, einfach und gerade gestrickte Geschichten zu verfolgen. Aus der Ist-Welt. Ohne Promi- oder Comedyfaktor. Ohne die Aufforderung, dafür oder dagegen zu "voten" oder sich sonst wie interaktiv zu gebärden: Fernsehen wie zu Großmutters Zeiten - nur in Farbe. Oft platt, immer kitschig - aber vielleicht genau wegen dieses peinlichen Touches das, was Fernsehen echte Chill- out-Qualität gibt. (rott/DER STANDARD; Printausgabe, 7.4.2004)