Vernissagen, das weiß, wer sich je die Mühe machte, sich zum Kunstschauen just den Eröffnungstag zu wählen, obwohl man da vor lauter Leuten in von der Kunst kaum etwas zu sehen bekommt, sind mühsam. Erstens wegen der vielen Menschen und zweitens, weil es sowohl Gästen als auch Künstlern oft so vorkommt, als käme der Großteil der Besucher nur, um sich an den Getränken gütlich zu tun. Aber weil das halt so (Un-)Sitte ist, ist das eben so. Punktum.

Iris Kohlweiß, eine Wiener Künstlerin, beschloss allerdings, sich nicht mit damit abzufinden: Wer bei der Vernissage der Ausstellung „The Tiris Show“ (gezeigt wurden einerseits sehr groß-, andererseits sehr kleinformatige Bilder) etwas trinken wollte, musste dafür frische Kunst abliefern: Kleine Zeichenblocks und Bleistifte lagen überall in der sonst eher auf Modellrennautobahnen spezialisierten Galerie „Hotslot“ (Wien 7; Westbahnstraße 30) bereit.

Und siehe da: Die Besucher malten, kritzelten und zeichneten – und viele hatten daran weit mehr Spaß, als an der üblichen Herumsteherei bei anderen Kunstevents. Die Resultate, versprach Kohlweiß, werden Mitte Mai bei der Ausstellungs-Finissage versteigert. Wie da dann die Getränkefrage gelöst werden soll, wird sich bis dahin wohl auch klären lassen. (DER STANDARD Printausgabe 19.4.2004)