Graz - In der Steiermark wurde vom Bundesrat und Geschäftsführer der Landes-VP, Andreas Schnider, eine Bildungsdebatte losgetreten, die schon im Herbst erste Früchte tragen könnte. Mit der Forderung nach Ganztags- und Gesamtschule brach Schnider im Herbst 2003 im STANDARD mit der Parteilinie und überraschte mit traditionell "rotem" Gedankengut.

Mittlerweile haben in einer Umfrage 60 steirische Pflichtschulen großes Interesse bekundet, eine ganztägige Schulform zu werden. Dafür ist allerdings eine Gesetzesnovellierung nötig. VP-Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder brachte in der Regierungssitzung am Montag einen dementsprechenden Antrag ein.

Im vorläufigen Modell ist vorerst nicht von Ganztagsschulen, sondern von einer "Tagesschule" die Rede.

Betreuen und fördern

In dieser findet der eigentliche Unterricht wie gehabt am Vormittag statt, während die Kinder am Nachmittag in der Schule individuell gefördert und betreut werden können. Die Landesrätin betont: "Es geht nicht nur um eine Ausweitung der Quantität, sondern vor allem um eine Steigerung der Qualität der Nachmittagsbetreuung."

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Senkung der Mindestanzahl von 15 auf zehn Kinder, um eine Gruppe zu gründen. Bei einer Integrationsgruppe fällt die Grenze sogar auf "sieben bis acht Kinder".

In Richtung Gesamtschule geht der schulübergreifende Ansatz des neuen Konzepts: Kinder aus Haupt- und Volksschulen sollen gemeinsam betreut werden können.

Für Edlinger-Ploder war die Sitzung in der Grazer Burg die erste, an der sie auch als Finanzreferentin teilnahm, für ihren neuen Kollegen Gerald Schöpfer war es ebenfalls die erste Sitzung als VP-Wirtschaftslandesrat. Beide folgen damit dem zurückgetretenen Wirtschafts- und Finanzlandesrat Herbert Paierl. (cms, DER STANDARD, Printausgabe 20.4.2004)