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Foto: REUTERS/Leszek Wdowinski
Warschau/Danzig - Wenn Lech Walesa in die USA, nach Deutschland oder Frankreich reist, horchen die Menschen bei seinem Namen auf. Der ehemalige polnische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger ist dort vor allem als unbeugsamer Arbeiterheld bekannt, der das sozialistische Regime in Polen während des Streiks der Danziger Werftarbeiter in die Knie zwang. Doch in der Heimat ist es um Walesa still geworden. Die einstige Ikone der Arbeiterbewegung wird für historische Leistungen zwar respektiert, in den vergangenen Jahren aber auch zunehmend kritisch gesehen. Betriebsrat Der 37 Jahre alte Streikführer mit dem buschigen Schnauzbart, der auf den Schultern der Arbeiter von der Danziger Leninwerft getragen wird - dieses Bild ging Ende August 1980 um die Welt. Es war der erste große Triumph des bis dahin unbekannten Elektrikers, der am 29. September 1943 im nordpolnischen Popowo als Sohn eines Kleinbauern und Arbeiters geboren wurde. Seit 1967 auf der Danziger Leninwerft als Elektromonteur beschäftigt, wurde er in den Betriebsrat gewählt und spielte bereits während des blutig niedergeschlagenen Streiks im Dezember 1970 eine wichtige Rolle. Politisches Engagement Nachdem er 1976 wegen seines politischen Engagements entlassen worden war, kehrte Walesa während des Streiks im August auf die Werft zurück und wurde Leiter des Überbetrieblichen Streikkomitees, das unter anderem die Gründung freier Gewerkschaften durchsetzte. Die von Walesa geführte Gewerkschaft "Solidarität" stieg zu einer Gegenmacht auf, bis die Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 die Reformphase in Polen zunächst beendete. Fast ein Jahr verbrachte Walesa in einem Internierungslager. "Runder Tisch" Bei den Gesprächen am "Runden Tisch" kam die kommunistische Regierung im Februar 1989 nicht an Walesa vorbei. Zusammen mit dem damaligen Innenminister Czeslaw Kiszczak unterzeichnete er das Abkommen, das den friedlichen Wandel ermöglichte. Eine politische Krönung von Walesas Karriere war das Amt des Staatspräsidenten Polens. Präsidentenwahlen 2000

Die im Dezember 1990 begonnene fünfjährige Amtszeit machte aber auch deutlich, dass der einstige Arbeiterheld nicht mehr unumstritten war: Mit Selbstherrlichkeit, autoritärem Amtsstil und zunehmend Spannungen vor allem mit seinen liberalen Beratern zerstörte Walesa bei vielen Polen den einstigen Nimbus. Besonders dürfte ihn geschmerzt haben, dass er 1995 beim Versuch einer Wiederwahl ausgerechnet an Aleksander Kwasniewski, dem einstigen Hoffnungsträger der polnischen Kommunisten, scheiterte.

Eine erneute Kandidatur bei den Präsidentenwahlen 2000 brachte Walesa nur einen Marginalteil der Wählerstimmen. Verbittert erklärte er seinen Rücktritt von der politischen Bühne - nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Erst Anfang September kündigte er in einem Rundfunkinterview an, dass er sich keineswegs als Politrentner sieht: "Ich will Polen im Rahmen meiner Möglichkeiten und Kräfte dienen", bekräftigte er. (APA)