Jeder vierte Arbeitnehmer wird im Jahr 2004 zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen sein.

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Wien - Rund 800.000 Österreicher, also jeder vierte Arbeitnehmer, wird im Jahr 2004 zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Auf diese "dramatisch hohen Zahlen" haben Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch am Mittwoch in einer Pressekonferenz aufmerksam gemacht. Von der Bundesregierung forderten sie ein entschiedenes Gegensteuern. Besonderer Einsatz sei für Jugendliche auf Lehrstellensuche notwendig.

Nach AK-Berechnungen bedeutet die Rekordarbeitslosigkeit nicht nur eine schwere Belastung für die Betroffenen und ihre Familien, sie verursacht auch hohe volkswirtschaftliche Kosten. Im ersten Quartal 2004 waren 335.628 Personen im Durchschnitt 100 Tage ohne Arbeit. Dadurch würden dem Staat 829 Mio. Euro an Steuern und Abgaben entgehen. Im Jahr 2000 waren es 742 Mio. Euro. Außerdem vernichte die Arbeitslosigkeit wiederum Arbeitsplätze: Weil Arbeitssuchende weniger Geld zum Ausgeben hätten, würden heuer 3.600 Personen zusätzlich arbeitslos, so die AK.

Steuerentlastung gefordert

AK und ÖGB fordern als Gegenmaßnahme zwei Mrd. Euro an Steuerentlastung für kleine und mittlere Einkommen sowie eine weitere Milliarde an Investitionen für den Ausbau von Straße, Schiene und Telekommunikation. Beide Maßnahmen würden 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Weitere 250 Mio. Euro sollten in Qualifikationsmaßnahmen gesteckt werden, außerdem müsse man gegen illegale Schwarzunternehmer schärfer vorgehen.

Besonders dramatisch ist laut Verzetnitsch die Lage am Lehrstellenmarkt. Ende März waren 13.563 Jugendliche ohne betriebliche Lehrstelle, und das bei nur 2.463 offenen Posten. 9.885 Jugendliche absolvierten AMS-Kurse oder einen Lehrgang des Auffangnetzes, aber 3.678 brauchten sofort eine Lehrstelle. Verzetnitsch warnte davor, dass "die Zukunft unseres Landes auf der Straße liegen bleibt" und forderte ein aktives Eingreifen von Wirtschaft und Politik.

"War noch nie so günstig, einen Lehrling auszubilden"

"Es war noch nie so günstig, tatsächlich einen Lehrling auszubilden, wenn man es will", so der ÖGB-Chef, trotzdem verbessere sich die Lage nicht. Es sei daher eine gezielte Förderung von Ausbildungsbetrieben nur bei Erfüllung von Qualitätskriterien notwendig. Die Bemühungen des Regierungsbeauftragten für Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung, Egon Blum, um Ausbildungsfonds wie in Vorarlberg oder in der Bauwirtschaft seien zu unterstützen, aber "die Freiwilligkeit nützt scheinbar nichts".

Verzetnitsch forderte zudem ein "echtes" Auffangnetz für Lehrstellensuchende. Man brauche Ausbildungsmaßnahmen, die zum Lehrabschluss führen, bei denen aber jederzeit einen Übertritt in die Ausbildung in einem Unternehmen möglich sei. Die von Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) für den Herbst angekündigten 7.000 Plätze seien zu wenig. Schließlich betrage die Lücke jetzt schon 11.000 Jugendliche, so Verzetnitsch.(APA)