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Foto: REUTERS/Leonhard Foeger
Brüssel - Quereinsteiger haben es schwer, insbesondere bei EU-Wahlen. Einzig die Fernsehmoderatorin Ursula Stenzel (58) hat diese Regel für die ÖVP durchbrochen. Sie führte 1996 als Spitzenkandidatin die ÖVP auf Platz eins - damals zum ersten Mal bei einer bundesweiten Wahl seit den Nationalratswahlen von 1966. Sie konnte ihre Position in der Partei auch über die Jahre halten und wurde nun nach 1999 auch 2004 und damit zum dritten Mal in Folge von der ÖVP als Spitzenkandidatin aufgestellt.

Stenzel, an die 1996 auch der damalige FPÖ-Chef Jörg Haider für eine Kandidatur herangetreten war, erhielt bei ihrer ersten Wahl 168.000 Vorzugsstimmen - wesentlich mehr als die Spitzenkandidaten von SPÖ, FPÖ, Grünen und liberalem Forum gemeinsam. 1999 kam sie mit 48.000 Vorzugsstimmen immer noch auf den ersten Platz vor Johannes Voggenhuber von den Grünen (33.000).

"Ruhepause"

Stenzel hat von Anfang an kein Hehl daraus gemacht, dass sie Österreichs Sicherheit in der NATO am besten aufgehoben sieht. Das Neutralitätsgesetz hat sie als "überholt" bezeichnet. Sie bekannte sich unzweideutig zur Erweiterung, plädiert nun aber für eine "Ruhephase". Kroatien will Stenzel allerdings gerne bald als EU-Mitglied begrüßen, während sie sich mehrfach gegen einen Beitritt der Türkei zur EU ausgesprochen hat.

Stenzel wurde zu Beginn ihrer Tätigkeit im EU-Parlament zur Vorsitzenden des Ausschusses für Beziehungen mit Polen ernannt und behielt diese Position bis Februar 2002, als sie den Vorsitz des Ausschusses für Beziehungen mit Tschechien übernahm. Zwar strich sie damals heraus, dass dies eine europapolitische und keine innenpolitische Funktion sei, aber in einer Phase als die Beziehungen Österreichs mit Tschechien wegen der Benes-Dekrete und dem Atomkraftwerk Temelin gespannt waren, hoffte sie doch damit auch "positive Signale" für eine Verbesserung der "gutnachbarschaftlichen Beziehungen" geben zu können.

ORF

Die am 22. September 1945 in Wien geborene Stenzel studierte Zeitungs- und Politikwissenschaften sowie Geschichte. Sie begann ihre berufliche Laufbahn 1970 als freie Mitarbeiterin des aktuellen Dienstes des ORF-Studios Wien. 1972 wurde sie Redakteurin im Aktuellen Dienst Radio, in der Folge Redakteurin und ZiB-Moderatorin im Aktuellen Dienst Fernsehen und zuletzt war sie Moderatorin in der Hörfunk-Information. (APA)