Wien - Die russische Wirtschaft boomt, Importe in die und Exporte aus der russischen Föderation legen kräftig zu. Das ist der Stoff, aus dem auch der derzeitige Geschäftserfolg der Donau-Bank AG mit Sitz in Wien gewoben ist.

Im Jahr 2003 hat die Nischenbank weiter zugelegt. Ihre Geschäfte ruhen auf drei Säulen: Kreditfinanzierung für russische Großunternehmen, Wertpapiergeschäft sowie Dokumenten- und Akkreditivgeschäft für Russland-Importeure.

2003 ist die Bilanzsumme des Instituts, das zu 85 Prozent der Moskauer Bank für Außenhandel und zu 15 Prozent der russischen Zentralbank gehört, um sechs Mio. auf 825 Mio. Euro gestiegen.

Das Betriebsergebnis lag bei 28 Mio. Euro; etwa gleich hoch waren die außerordentlichen Erträge aus dem Wertpapiergeschäft. Das Ergebnis nach Steuern erreichte 51 Mio. Euro, die Eigenmittel lagen bei 300 Mio. Euro.

Der aus Moskau stammende Vorstandsvorsitzende der Bank, Andrei Tchetyrkine, erläutert dem STANDARD: "In den vergangenen Jahren haben sich die russischen Unternehmen massiv Kredite aus dem Westen geholt. Wir unterstützen sie dabei und konstruieren komplexe Finanzierungen."

So hat die Bank, die im Palais Coloredo Mansfeld am Wiener Parkring residiert, im Vorjahr einen internationalen Syndikatskredit über 60 Mio. US-Dollar für die russische Airline Aeroflot organisiert und strukturiert. Im Konsortium vertreten waren Institute wie Citibank, Erste Bank oder Bawag.

Rückenwind aus der Heimat

Den Grund für die flotten Geschäfte erklärt Vorstandsmitglied Richard Vornberg: "International tätige russische Unternehmen kommt es wesentlich billiger, sich im Westen zu verschulden als im Rubel. Außerdem haben wir durch den russischen Wirtschaftsboom Rückenwind."

Die Zahlen dazu: Bis 2007 erwarten die Wirtschaftsforscher jährliche Wachstumsraten von im Schnitt sechs Prozent. Träger des Aufschwungs sind die Einnahmen aus dem Erdölgeschäft: Russland hat Saudi-Arabien den Rang abgelaufen und ist größter Erdölexporteur der Welt.

Dementsprechend abhängig ist die Wirtschaft allerdings auch vom (derzeit hohen) Erdölpreis: Laut Weltbank stammen 25 Prozent aller Einnahmen aus den Ölgeschäften. Trotz politischer Unbilden, Verwaltungshybris und Korruption hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Russlands um zwei Stufen in die Höhe geschraubt.

"An Russland kommt man nicht mehr vorbei. Auch die Österreicher werden verstärkt in Russland investieren, die Krise 1998 ist überwunden", hofft Tchetyrkine auf mehr Geschäft auf der Achse West-Ost.

55 Mitarbeiter

Die kleine Donau-Bank mit ihren 55 Mitarbeitern könnte dabei eine größere Rolle spielen als bisher. Ihre russischen Eigentümer überlegen, die Wiener Tochter (sie ist die profitabelste Bank der Außenhandelsbank-Gruppe, zu der auch Banken in Frankfurt, Zürich, Luxemburg und auf Zypern gehören) zu einer Europadrehscheibe für sämtliche Geschäfte im Westen zu machen. Die Entscheidung dafür wird in einem halben Jahr fallen. (DER STANDARD Printausgabe, 29.04.2004, Renate Graber)