Wien - Die österreichischen Männer sind weiterhin zum Großteil verkappte Machos: Obwohl bei der "Männerstudie" des Karmasin Motivforschungsinstitutes weit mehr als die Hälfte aller Befragten angab, in ihren Beziehungen Partnerschaftlichkeit hochzuhalten, sieht die Realität anders aus: Bei konkreten Fragen wie etwa der Karenz oder der Kinderbetreuung sind sich weite Teile der maskulinen Bevölkerung ziemlich einig, dass das in erster Linie Frauensache sei, so Sophie Karmasin und Alice Nilsson bei der Präsentation der Untersuchung am Donnerstag in Wien.

Vier Kategorien

Das klassische Männerbild, an dem sich besonders die Werbung in der Vergangenheit orientiert hat, ist passé. Bei der aktuellen Studie teilten die Motivforscherinnen die maskuline Bevölkerung grob in "Traditionelle" (29 Prozent), "Selbstverwirklicher" (21 Prozent), "Partnerschaftliche" (37 Prozent) und "Verständnisvolle" (elf Prozent) ein. "Eigentlich ein Paradies für Frauen", meinte Nilsson. Allerdings lebt nur die Kategorie "Verständnisvolle" tatsächlich das, was man als "moderne, offene Beziehungsstrukturen" bezeichnen könnte.

Die Namen der einzelnen Kategorien sind gleichzeitig ihre Charakterisierung. Für den "Traditionellen" stehen Karriere und Familie im Vordergrund, wobei der Platz der Frau eher zu Hause ist, während er das Geld verdient. Der "Selbstverwirklicher" interessiert sich vor allem für sich selber, ist sportlich, vergnügungsfreudig und beschäftigt sich mit Mode und Kosmetik. Kinder und Heirat sind eher Nebensache. Die "Partnerschaftlichen" geben an, eine moderne, gleichberechtigte Beziehung zu führen, wobei die "Verständnisvollen" diese dann auch leben.

Entwicklung ist möglich

Bei der größten Gruppe - den "Partnerschaftlichen", die in der Realität ihrem eigenen Ideal kaum entsprechen - sah Karmasin auch die größte Beweglichkeit. "Hier findet eine Entwicklung statt", so die Motivforschung. Doch könne man noch nicht abschätzen, ob diese tatsächlich in offene Beziehungsstrukturen oder wieder zurück in traditionelle Bahnen geht.

Klassische Werte

Die Wertvorstellungen sind ebenfalls klassisch: Männer schätzen bei ihren Geschlechtsgenossen Durchsetzungsfähigkeit und Erfolg. Frauen sollten hingegen einfühlsam, verständnisvoll und sorgend sein - und dabei noch Stil und Attraktivität verkörpern.

Trotz der enormen Wichtigkeit von Erfolg und Karriere stehen Männer dieser Rolle zunehmend skeptisch gegenüber. 43 Prozent der Befragten befürchten etwa, eines Tages beruflich alles erreicht, aber im Leben vieles verpasst zu haben.

Partnerschaftlichkeit

Bei finanziellen Entscheidungen zieht hingegen vermehrt die Gleichberechtigung in die Beziehungen ein. Ehemals klassische Männer-Hoheitsgebiete wie die Aufnahme eines Kredites oder die Wahl eines bestimmten Autotypes werden heute gemeinsam partnerschaftlich geregelt. Eine Bastion konnten das starke Geschlecht allerdings behaupten: Mehr als 70 Prozent sind weiterhin Herr über den heimischen Werkzeugkasten. (APA)