Salzburg – Welches besonders österreichische Mitbringsel brachte Autronaut Franz Viehböck seinen russischen Kosmonauten-Kollegen mit auf die Raumstation Mir? Lippizaner wären wohl die erste Wahl gewesen, aber die Nutzlast für Weltraummissionen ist bekanntlich beschränkt. Viehböck schwebte, natürlich, mit einer Packung Mozartkugeln durch die Luftschleuse. Die kugeligen Genussbomben in der Staniolfolie sind oft das erste, was Amerikanern, Japanern oder Australiern zu Österreich einfällt, sie halten als diplomatisches Geschenk her, haben Produktdesign-Preise eingeheimst und ihre Produzenten reich gemacht. Doch was haben die Salzburger Pralinen, was andere Leckereien nicht haben? Zunächst einmal eine mittlerweile 124-jährige Geschichte. Genial einfach, oft kopiert Erfunden hat die Mozartkugel der Salzburger Konditor Paul Fürst. Das Konzept war einfach: Ein Kern aus Marzipan, rundherum dunkle und helle Nougatcreme, außen dunkle Edelschokolade. Bereits im Jahre 1905 stellte er seine Kreation bei einer internationalen Pariser Ausstellung vor und erhielt dafür eine Goldmedaille. Da kopierten auch schon andere Salzburger Konditoren die Mozartkugel und auch die Süßwarenindustrie begann, die Spezialität herzustellen. Zahllose Plagiate machten dem Familienbetrieb der Fürsts zu schaffen, und spätestens nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Mozartkugel millionenfach erzeugt. 1997 musste Urgroßenkel Norbert Fürst sogar einen Prozess anstrengen, weil die Schweizer Konkurrenz von Nestlé das „Original“ im Produktnamen ebenfalls für sich beanspruchte. Der Konditor ging bis zum Obersten Gerichtshof – und gewann: "Original Salzburger Mozartkugeln gibt es nur von uns." Kapitalstarker Marktführer Weiterer Konkurrent: Die Grödiger Schokoschmiede und Kraft-Foods-Tochter Mirabell, die natürlich am längeren Kapital-Ast sitzt und heute unumstrittener Mozart-Marktführer ist. Über 13 Prozent hält die goldene Mirabell-Kugel am österreichischen Pralinenmarkt. Trotz industrieller Herstellung sind noch immer 14 Arbeitsschritte und 2 1/2 Stunden Arbeitszeit pro Kugel notwendig. Heute wird diese "Echte Salzburger Mozartkugel" in ca. 50 Länder der Welt exportiert. Daneben buhlen noch unzählige Hersteller und Zukäufer wie Reber, Dreher, aber auch Lidl und Hofer um die Gunst der Leckermäuler. Trotzdem hat sich die Familienkonditorei Fürst bis heute erfolgreich behauptet. Über eine Million "Original Salzburger Mozartkugeln" werden voraussichtlich in diesem Geschäftsjahr über die Ladentische der Konditorei Fürst rollen. Mit Norbert Fürst ist der Betrieb, der mittlerweile drei Filialen umfasst, bereits in der dritten Generation in Familienbesitz. Erfolgsgeheimnis "In der Salzburger Brodgasse wird immer noch produziert wie vor hundert Jahren.", erklärt Geschäftsführerin Renate Spindler, "und da merkt man halt den Unterschied zu den Fabrikkugeln." Die Herstellung ist dabei einigermaßen langwierig und entsprechend kostenintensiv: Kleine Marzipanknödel auf Zahnstochern werden so lange in heißem Schokosud geschwenkt, bis sich die kugelige Gestalt der weltberühmten Leckerei abzeichnet. Eingewickelt in silberfarbenes Staniolpapier zur geschmacklichen Abrundung, kommen die prominenten Murmeln dann gleich ins Schaufenster. Hergestellt wird ohne Konservierungsstoffe, und nach spätestens acht Wochen muss die Mozartkugel vernascht sein. "Wir setzen die Ablaufdaten immer sehr knapp an", so die Süßwarenmanagerin, "sonst verlieren die Kugeln an Geschmack". Man wolle ja auf keinen Fall, dass geschmacklich ausgemergelte Pralinen den guten Ruf des Originalrezepts schädigten. (chr)