Budapest - Mit "gemischten Gefühlen" kommentierte Jozsef Kasza, Vorsitzender des Verbandes der Ungarn in der Vojvodina, die Aufnahme Ungarns in die Europäische Union. Die EU-Mitgliedschaft sei ein "freudvoller Augenblick mit einer großen Portion Bitternis". Kasza hoffe, dass die Mutternation Ungarn nach ihrem EU-Beitritt die kleine ungarische Gemeinschaft, die hinter der Grenze "steckt", nicht vergisst - berichtet die Ungarische Nachrichtenagentur MTI am Samstag. "Ich hoffe stark, dass die Nation und nicht nur das Land in Europa eintraf, und ein kleiner Teil dieser Nation nur physisch außerhalb dieses Prozesses geblieben ist" - so Kasza.

Die Ungarn-Stämmigen in der Vojvodina hätten auch bisher so empfunden, dass sie gemeinsam mit der ungarischen Nation zu Europa gehören. "Unsere geschichtliche Vergangenheit, unsere Kultur, unser Glauben haben uns stets an der Spitze Europas platziert." Der Vorsitzende der größten ungarischen Partei der nordserbischen Provinz Vojvodina bedauert, dass die Ungarn durch das Schicksal in ein solches Land gelangten, dass "unfähig ist, den Anschluss an die europäischen Prozesse zu finden". Kasza hofft dennoch, dass eine Zeit kommen wird, in der die Ungarn der Vojvodina gemeinsam mit der Mutternation und der Nation in Europa präsent sind.

"Vernachlässigt"

Jozsef Kasza möchte die Lage der Vojvodina-Ungarn nicht als "aussichtslos" bezeichnen. Alles hinge davon ab, dass die Mutternation sie in Zukunft nicht vergisst. Die Vojvdina-Ungarn seien einst wegen des Milosevic-Regimes von der Mutternation "vernachlässigt" worden. Dann wiederum aus dem Grunde, da der EU-Beitritt wichtiger war als die Minderheit. Heute wiederum würde die Unterstützung der Ungarnstämmigen in der Vojvodina ausbleiben, da es einer allgemeinen Sparsamkeit in Ungarn bedarf - so die Kritik von Kasza.

Der Vorsitzende des Verbandes hoffte zugleich, die Bedeutung der Ungarnstämmigen in der Vojvodina werde durch den EU-Beitritt der Mutternation aufgewertet. Laut Kasza könnte die EU-Mitgliedschaft Ungarns zu einem wirtschaftlichen, kulturellen Aufschwung in der Gemeinschaft der Vojvodina-Ungarn führen. Das hinge jedoch davon ab, inwiefern die Ungarn auf beiden Seiten der Grenze diese Chance nutzen. (APA)