Wien - Der Dirigent Carl Melles, einer der letzten Vertreter altösterreichischer Musiktradition, ist tot. Er starb - wie erst jetzt bekannt wurde - in der Nacht auf 25. April im Alter von 77 Jahren in einem Wiener Krankenhaus, wie ein Freund der Familie mitteilte. Der gebürtige Budapester und Vater der Schauspielerin Sunnyi Melles emigrierte 1957 nach Österreich und nahm 1966 die österreichische Staatsbürgerschaft an. Er hat mit weltbekannten Orchestern und Solisten gearbeitet und dabei ein weitgestreutes Programm von Beethoven und Schubert bis Kodaly dirigiert.

Melles wurde am 15. Juli 1926 in Budapest geboren und studierte von 1946 bis 1949 an der Budapester Franz Liszt-Akademie, wo er bis 1957 auch als ordentlicher Professor unterrichtete. Von 1952 bis 1957 war er Dirigent des ungarischen Staatsorchesters und Chefdirigent in Miskolc.

Umfangreiche Karriere

Melles kann auf eine umfangreiche Dirigierarbeit zurückblicken. Zu den mehr als hundert Konzert-, Rundfunk- und Opernorchestern, die er geleitet hatte, zählten die Wiener und Berliner Philharmoniker, die Wiener Symphoniker, die NÖ Tonkünstler, das New Philharmonia Orchestra London, das Orchestre National de Paris, das Orchester der Mailänder Scala und das Staatsorchester Budapest. Er dirigierte bei den Wiener Festwochen, den Bayreuther und Salzburger Festspielen und arbeitete mit Solisten wie Wilhelm Kempff, David Oistrach, Swjatoslaw Richter, Mstislaw Rostropowitsch, Arthur Rubinstein, Nathan Milstein oder Maurizio Pollini zusammen. Konzertreisen führten ihn nach Südafrika, Japan und Amerika.

Melles wurde mehrfach ausgezeichnet. 1995 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich. Seit 1996 lebte Melles krankheitshalber zurückgezogen in Wien. Das Begräbnis des Dirigenten findet am 12. Mai um 14.00 Uhr auf dem Hietzinger Friedhof statt. (APA)